Löw: Widrigkeiten trotzen - Vier Millionen für EM-Ticket

Dublin als Zielort. Allen Widrigkeiten zum Trotz will Weltmeistercoach Joachim Löw mit seinem Team in der irischen Hauptstadt endgültig das Ticket für die Fußball-EM 2016 buchen.

«Wir haben es immer geschafft, immer wenn es darauf ankam, im richtigen Moment zu fokussieren und Leistungen abzurufen», erklärte der Bundestrainer zum Ausscheidungsmatch gegen die kampfstarken und hochmotivierten Iren. Auch der Ausfall von Fan-Liebling Lukas Podolski, der am Mittwoch nicht mit nach Dublin flog, soll daran nichts ändern. «Diesen Charakter hat die Mannschaft immer mitgebracht», betonte Löw.

Der Donnerstag (Anstoß 20.45 Uhr) soll für DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger und Co. auch zum großen Zahltag werden. Denn für die erfolgreiche EM-Qualifikation wird der Deutsche Fußball-Bund rund vier Millionen Euro an die Spieler auszahlen. 20 000 Euro pro Mann und Spiel hatte der Verband als Erfolgshonorar ausgelobt.

«Ich erwarte die gleiche Einstellung und Bereitschaft, natürlich auch die gleiche Leistung wie im September», betonte Löw. Da hatte das DFB-Team mit Siegen gegen Polen (2:1) und in Schottland (3:2) die Ausgangsposition vor dem Gruppenabschluss deutlich verbessert. Deutschland ist mit 19 Zählern Spitzenreiter vor Polen (17), Irland (15) und Schottland (11). Schon ein Punkt im Aviva Stadium würde endgültig das Direktticket zur EM im kommenden Sommer bringen.

«Wir müssen von Anfang an konzentriert an die Aufgabe herangehen. Die Iren werden kompakt stehen und uns das Leben schwer machen», unterstrich der formstarke Abwehrchef Jérôme Boateng vom Bundesliga-Dominator FC Bayern. Der Münchner gehört zu den vier Akteuren, die bei feststehender Qualifikation die Maximalprämie von 200 000 Euro einstreichen würden. Auch Mario Götze, Sebastian Rudy und der nun verletzte Podolski standen für alle zehn Spiele im Aufgebot.

Der Platz von Podolski, mit 126 Länderspielen und 48 Toren der erfahrenste und erfolgreichste Akteur im berufenen Kader, blieb am Mittwoch im Charterflieger von Frankfurt (Main) nach Dublin leer. Dagegen machte der Leverkusener Karim Bellarabi trotz einer Schulterprellung die Reise mit, sein Einsatz bleibt fraglich.

Am Abend war in der futuristischen Fußball-Arena von Dublin das Abschlusstraining angesetzt, für Löw die einzige Chance, das gesamten Team auch praktisch für das Duell mit den Boys in Green zu schulen. «Es wird ein kampfbetontes, intensives Spiel, ein Abnutzungskampf», sagte der DFB-Chefcoach voraus.

Gerade deshalb setzte er im Vorfeld der Partie konsequent auf Erholung und Regeneration bei seinen beanspruchten Stars: «Wenn wir unsere spielerischen Qualitäten ins Spiel bringen wollen, müssen wir dafür natürlich die Voraussetzungen im körperlichen Bereich haben.»

Als gelungenes Beispiel gilt der jüngste Auftritt in Glasgow. «Die Atmosphäre im Stadion wird toll sein. Wir haben bereits in Schottland gewonnen, deswegen ist es unser Anspruch, auch in Dublin zu gewinnen», sagte der Dortmunder Ilkay Gündogan, der zusammen mit dem Neu-Engländer Bastian Schweinsteiger und Real-Madrid-Star Toni Kroos wohl wieder das Mittelfeld-Herz der deutschen Elf bilden soll. Wahrscheinlich schickt Löw sogar die komplette Startelf von Glasgow auf den Rasen, also auch Emre Can vom FC Liverpool als rechten Verteidiger.

«Wir wollen beide Spiele gewinnen und werden sie auch gewinnen», erklärte Löw ungeachtet der misslichen Begleitumstände. Großer Hoffnungsträger ist erneut Thomas Müller. Der 26 Jahre alte Münchner hatte mit seinem Doppelpack gegen Schottland sein Torkonto in der Qualifikation auf acht Treffer erhöht. Nur sein Club-Kollege Robert Lewandowski traf für Polen öfter (10). «Bei Thomas Müller weiß man als Gegenspieler nie, was er im nächsten Moment macht. Das macht es für einen Verteidiger total schwer», meinte Kollege Gündogan.

Die Nachwehen des jüngsten Dortmunder 1:5-Debakels in München sind rechtzeitig überwunden, betonen die Protagonisten. Die vier Borussen-Spielern Gündogan, Mats Hummels, Marco Reus und Matthias Ginter sollen die Schmach an der Lansdowne Road am besten als Antrieb nutzen, forderte Löw: «Für sie ist es noch mal eine besondere Motivation zu zeigen, was sie draufhaben.»

Die letzte Niederlage eines DFB-Teams gegen Irland ist mehr als 21 Jahre her. Danach gab es in sechs Pflichtspielen drei deutsche Siege und drei Remis. In Dublin hat Deutschland zuletzt 1956 verloren. Allerdings warnte Löw nochmals: «Die Iren haben noch gute Chancen.» Der Gegner werde mit «viel Einsatz, viel Kampfgeist und viel Mentalität» auftreten.