Löws Neustart: Terror-Nachwirkungen und Schweinsteiger-Aus

Die schlechten Nachrichten für Joachim Löw reißen im EM-Jahr nicht ab.

Löws Neustart: Terror-Nachwirkungen und Schweinsteiger-Aus
Christian Charisius Löws Neustart: Terror-Nachwirkungen und Schweinsteiger-Aus

Für seinen schon wieder am rechten Problemknie verletzten Kapitän Bastian Schweinsteiger beginnt ein neuer Wettlauf um eine rechtzeitige Gesundung, damit der 31 Jahre alte WM-Held von Rio bei der Europameisterschaft im Sommer nochmals eine Rolle im DFB-Team einnehmen kann. «Es sieht nicht sehr positiv aus», sagte der Bundestrainer am Mittwoch in Berlin.

Dabei wollte die Sportliche Leitung der deutschen Nationalmannschaft noch unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse von Brüssel eigentlich wieder die Hoffnung auf einen positiven Fußballabend am Samstag (20.45 Uhr) gegen England in den Mittelpunkt rücken. «Wir wollen unseren Fans und den Menschen in Deutschland sagen: Es geht los», sagte Manager Oliver Bierhoff zur österlichen Marschroute.

Nach den schrecklichen Anschlägen in Paris war das Löw-Team im vergangenen Jahr «mit einem unguten Gefühl» auseinandergegangen, erinnerte Bierhoff. «Jetzt ist es wichtig, den Countdown einzuläuten», ergänzte der Manager mit Blick auf die Endrunde in Frankreich. Zunächst aber holten die Anschläge von Brüssel bei Löw und seinen Spielern die bösen Erinnerungen an die Terror-Nacht von Paris und an die anschließende Absage des Länderspiels gegen Holland in Hannover zurück. «Wir lassen uns von den Ereignissen aber nicht beeindrucken», sagte DFB-Chefcoach Löw deutlich.

Die Sicherheitsexperten würden alles Mögliche tun, damit gegen die Engländer vor 72 000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion ein friedliches Fußballfest über die Bühne gehen könne. «Wir haben uns bewusst zwei starke Gegner ausgesucht. Es sind keine normalen Freundschaftsspiele gegen England und Italien, da ist natürlich besondere Brisanz drin», sagte Löw zum anstehenden Klassiker-Doppelpack als Einstimmung auf den EM-Sommer, der am 10. Juni in Frankreich beginnt. Schweinsteiger, für Löw noch immer ein «absoluter Leader», wird auf jeden Fall fehlen.

Der Weltmeister hat sich beim ersten Training in Berlin bei einem Zweikampf einen Innenbandteilriss zugezogen, teilte der DFB mit. Damit fällt der Kapitän nicht nur für die anstehenden Testpartien aus, sondern muss wie schon zu Beginn des Jahres eine längere Pause einlegen. Jérôme Boateng (FC Bayern) und Benedikt Höwedes (Schalke), die mit Schweinsteiger im Sommer 2014 in Brasilien den WM-Titel erkämpft hatten, stecken bereits in einer mehrmonatigen Rehabilitation. Sie sollten aber bis zum Turnier fit werden.

Auch wegen der verletzten Leistungsträger muss der Bundestrainer gegen die erstarkten Engländer und den Turnier-Angstgegner Italien einiges probieren. Löw stellte in Aussicht, dass der erstmals eingeladene Leverkusener Abwehrspieler Jonathan Tah in einer der beiden Partien in der Startelf auftauchen könnte. «Er hat ein gutes Zweikampfverhalten in der Defensive, für sein Alter schon ein gutes Stellungsspiel, dazu eine gewisse Ruhe und eine gute Übersicht», charakterisierte Löw den 20 Jahre jungen Tah.

Darüber hinaus kündigte der Weltmeister-Coach eine Job-Teilung in seinem nach der Schweinsteiger-Abreise noch 25-köpfigen Kader an. In ihren Clubs durch internationale Verpflichtungen stark beanspruchte Profis wie Thomas Müller, Mesut Özil, Mats Hummels oder Marco Reus würden «nicht zweimal unbedingt 90 Minuten spielen», kündigte Löw an: «Ich bin bereit, nochmals einiges zu testen.»

Der leicht angeschlagene Özil soll wie Karim Bellarabi und Julian Draxler, der am Mittwoch im Amateurstadion von Hertha BSC noch individuell übte, am Donnerstag ins Teamtraining einsteigen.

Bei Mario Götze wollte sich der Bundestrainer noch nicht festlegen. «Man merkt deutlich, dass ihm Spielpraxis fehlt», berichtete er von den ersten Trainingseindrücken: «Auf der anderen Seite wollen wir ihm auch helfen.» Der Finaltorschütze der WM sitzt nach längerer Verletzungspause beim FC Bayern fast nur auf der Bank. Löw lässt aber an Götzes Rolle im Nationalteam keinerlei Zweifel: «Ich weiß, was er für eine Einstellung hat. Ich plane mit ihm Richtung EM.»

Andere müssen sich in den letzten Wochen vor der Benennung des vorläufigen WM-Kaders am 17. Mai, mit dem Löw sechs Tage später ins Trainingslager nach Ascona (Schweiz) reisen wird, noch anbieten. Zumal junge Spieler wie der Münchner Joshua Kimmich oder Mitchell Weiser von Hertha BSC nachdrängen, wie Löw nochmals betonte. Schon in diesen Tagen könnten EM-Kandidaten «im Training und im Spiel Ausrufezeichen hinter ihre Leistung setzen», sagte Löw.

Verstöße gegen den Teamgeist und die Professionalität werde er nicht zulassen, wie die zeitweise Suspendierung von Max Kruse beweisen sollte. «Wir versuchen trotz aller Superstars, die Mannschaft in den Vordergrund zu stellen», unterstrich Bierhoff.