Lokführer bestreiken Bahn das ganze Wochenende

Hiobsbotschaft für Millionen Wochenendpendler und Ferienreisende: Mit einem zweitägigen Streik wollen die Lokführer an diesem Wochenende den Bahnverkehr in ganz Deutschland lahmlegen.

In sieben Bundesländern beginnen die Herbstferien, in zwei anderen gehen sie zu Ende, darunter Nordrhein-Westfalen. Die Deutsche Bahn reagiert erneut mit einem Ersatzfahrplan, damit zumindest ein Teil der Züge fahren kann.

Der Tarifkonflikt der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit dem bundeseigenen Konzern eskaliert damit immer weiter. Das bundeseigene Unternehmen sprach von einem Amoklauf der GDL, der Fahrgastverband Pro Bahn von einer Zumutung.

Die fünfte Streikaktion ist die bisher längste in dieser Tarifrunde. Bereits ab Freitagnachmittag sollten die Güterzüge stillstehen. Die Lokführer wollten den Ausstand dann am Samstag zu Betriebsbeginn auf alle Personenzüge einschließlich der S-Bahnen ausweiten. Der Streik soll bis Montag um 4.00 Uhr dauern. Er dürfte damit auch noch Auswirkungen auf den Berufsverkehr am Montagmorgen haben.

Die Wirtschaft warnte vor hohen Schäden. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik zeigte sich besorgt: «Das ist eine Katastrophe», sagte sein Logistikexperte Gunnar Gburek. «Selbst wenn es nicht zu Produktionsausfällen kommt, werden die Unternehmen einen finanziellen Schaden haben.»

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte eine schnelle Rückkehr an den Verhandlungstisch. «Die Tarifparteien sollten zügig wieder Gespräche aufnehmen, denn Lösungen gibt es nur am Verhandlungstisch», sagte Dobrindt der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). Er mahnte, Folgen für Dritte sollten gering gehalten werden.

Vom Streik betroffen sind nach Angaben der Deutschen Bahn auch alle Sonderzüge zu den Fußballspielen am Wochenende. Die An- und Abreise der Fans zu den Stadien könne nicht sichergestellt werden.

Die Bahn bat ihre Fahrgäste, sich auf ihrer Internetseite über den aktuellen Stand und die Ersatzfahrpläne zu informieren. Vom Streik betroffene Kunden könnten ihre Fahrkarte und Reservierung in den DB-Reisezentren kostenlos erstatten lassen. Reisende mit Zugbindung könnten auch andere Züge benutzen. Das gelte auch für Sparpreistickets.

Die GDL sprach von einem Erzwingungsstreik. Er sei nötig, weil die Bahn noch immer nicht bereit sei, in inhaltliche Verhandlungen mit der GDL für das gesamte Zugpersonal einzusteigen. Es gehe um Überstundenbegrenzung, bessere Schichtpläne und fünf Prozent mehr Einkommen, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky.

Die Bahn warf Weselsky vor, jedes Maß verloren zu haben. «Die GDL läuft Amok», hieß es einer Erklärung. Ohne Not würden Millionen von Menschen die Ferien verdorben. Es werde immer deutlicher, dass es nicht um die Interessen der Lokomotivführer gehe, «sondern um Allmachtsfantasien eines Funktionärs».

Die GDL verlangt in den Tarifverhandlungen die Federführung nicht nur wie bisher für die 20 000 Lokführer, sondern auch für 17 000 andere Bahnmitarbeiter, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Disponenten. Die Bahn lehnt das ebenso ab wie die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie verweist darauf, dass die GDL nur bei den Lokführern die Mehrheit unter den Mitgliedern habe, aber bei keiner anderen Berufsgruppe.