Lokführer wollen bis Mittwochmorgen Zugverkehr lahmlegen

Tausende Bahnreisende drohen zu stranden: Streikende Lokführer wollen den Zugverkehr in ganz Deutschland bis Mittwochmorgen komplett lahmlegen.

Die Lokführergewerkschaft GDL rief ihre Mitglieder im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn zu einem bundesweiten und flächendeckenden Streik von Dienstagabend 21.00 Uhr bis 6.00 Uhr Mittwochfrüh auf. Damit wollen sie ihre Forderungen nach mehr Einkommen und besseren Arbeitsbedingungen durchsetzen.

Fern- und Regionalzüge sollen ebenso stillstehen wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen. Die Deutsche Bahn rechnet auch am Mittwoch noch mit «erheblichen Beeinträchtigungen» im Berufsverkehr bis in die Mittagsstunden.

Zu dem Ausstand aufgerufen sind die Lokomotivführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten bei der Deutschen Bahn. Mit dem noch verfügbaren Personal solle versucht werden, ein Chaos zu verhindern, erklärte eine Unternehmenssprecherin.

Den angekündigten Streik kritisierte die Bahn als «völlig überzogen». Sie forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ähnlich äußerte sich der Fahrgastverband Pro Bahn: Der Konflikt sei aus Fahrgastsicht nicht mehr nachvollziehbar.

GDL-Chef Claus Weselsky betonte im Radiosender hr-Info die Streikbereitschaft der Gewerkschafter: «Sie haben das an den beiden Warnstreiks gesehen. Es soll niemand darauf setzen, dass das Zugpersonal einknickt.»

Die Lokführer fordern unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Verhandlungen darüber scheiterten jedoch bislang aus einem anderen Grund: Die GDL will auch für das übrige Personal im Zug verhandeln, etwa für Zugbegleiter und Speisewagen-Mitarbeiter - die Bahn lehnt das ab. Die GDL konkurriert dabei mit der größeren der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). In der vergangenen Woche hatten 91 Prozent der GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf votiert.

Personalvorstand Ulrich Weber wies den Vorwurf zurück, die Bahn treibe die Gewerkschaft in den Konflikt: «Der GDL-Führung geht es aber darum, das Terrain von Konkurrenzgewerkschaften erobern zu wollen. Dafür nimmt sie Schaden für Kunden, Mitarbeiter und Unternehmen in Kauf.»

In der vergangenen Woche hatte die Bahn ein neues Angebot gemacht, um Streiks noch abzuwenden. Demnach sollten die Verhandlungen ruhen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten. In einem Brief Weselskys an die Arbeitgeber vom Montag hieß es dazu: «Übersetzt heißt das: 'Nehmt die Brosamen des Arbeitgebers, bevor euch die Regierung mit einem Gesetz zur Tarifeinheit endgültig den Garaus macht!'»