Lokführerstreik nicht vor 16. Januar

Bahnfahrgäste müssen frühestens Ende kommender Woche mit Streiks der Lokführer rechnen. Im derzeitigen Tarifkonflikt treffen sich Lokführergewerkschaft und Deutsche Bahn am Freitag zu einem klärenden Gespräch.

Sollten sich beide Seiten bis nächsten Mittwoch, 15. Januar, nicht einigen, hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Arbeitsniederlegungen angedroht.

«Nach dem 15. Januar entscheiden wir, ob und wie wir streiken», sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky dem «Tagesspiegel» (Freitag). «Wir haben es nicht nötig, am 16. Januar um null Uhr mit dem Arbeitskampf zu beginnen.» Zu den Streikplänen fügte er hinzu: «Es wird zu Beeinträchtigungen im Schienenverkehr kommen, aber die Bahn zwingt uns dazu.»

Die Bahn will am Freitag in Frankfurt mit der GDL bei einem «Arbeitstreffen» über deren jüngste Tarifforderung nach einer eigenen Versicherung für Berufsrisiken der Lokführer sprechen. «Aber morgen finden keine Verhandlungen statt», sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Donnerstag in Berlin. «Morgen wird es kein Angebot des Arbeitgebers geben, das weiß die GDL auch», fügte er hinzu. Ein solches Angebot verlangt Weselsky bis 15. Januar.

Die GDL-Tarifkommission hatte die seit nunmehr zwei Jahren laufenden Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung Ende November für gescheitert erklärt. Alle bis damals erhobenen Forderungen zog sie zurück und verlangt jetzt stattdessen die Einführung einer Lizenzverlust-Versicherung für die bei der Bahn angestellten 20 000 Lokführer. Diese soll Einkommenseinbußen für Lokführer ausgleichen, die aus Gesundheitsgründen ihrem erlernten Beruf nicht mehr nachgehen können.

Weber bezeichnete das Vorgehen der Gewerkschaft als «dreist und unverschämt». Sie drohe mit einem Arbeitskampf, bevor über die neue Forderung verhandelt worden sei. Die GDL verzichte auf einen vom Konzern angebotenen besseren Mitarbeiterschutz, der bereits mit der Eisenbahn- und Vekehrsgewerkschaft (EVG) für die übrigen Bahnbeschäftigten vereinbart sei. «Die Interessen der Mitarbeiter gehen dabei den Bach herunter», kritisierte das Vorstandsmitglied.

Weber wandte sich gegen eine «mögliche Privilegierung einer kleinen Gruppe». Kein Mitarbeiter bei der Bahn «soll schlechter oder besser behandelt werden», sagte er. Das Verhalten der GDL gefährde den Betriebsfrieden und könne dem Image der Bahn schaden.

Im Jahr 2013 haben nach Worten Webers 150 Lokführer «aufgrund von gesundheitlichen Problemen jedweder Art» ihren Beruf nicht mehr ausüben können. «Keinem einzigen wurde gekündigt», sagte der Manager. Etwa 30 davon seien Lokführer, die mit ihrem Zug Selbstmörder überfahren hatten. «Wir kümmern uns um diese Kollegen sehr intensiv.» Die Zahl zeige, dass nicht viele Lokführer aus diesem Grund berufsunfähig würden. Weselsky erwecke aber den Eindruck, dass dies ein bedeutendes Problem sei, sagte Weber.