London ehrt Elvis mit riesiger Ausstellung

Elvis Presley springt zu Hause in Memphis in den Pool, er hält seine kleine Tochter beim Besuch des Weihnachtsmanns auf dem Arm, er singt vor Hunderten von Fans in einer Fernsehshow. «Elvis lebt!» - könnte man meinen, wenn man durch die Londoner O2-Arena streift.

London ehrt Elvis mit riesiger Ausstellung
dpa London ehrt Elvis mit riesiger Ausstellung

So lebensnah wirkt die große Elvis-Ausstellung, in der seit Freitag unzählige persönliche Gegenstände des King of Rock 'n' Roll und selten gezeigte Filmaufnahmen zu sehen sind. Die Schau hat bis August geöffnet.

Einiges von dem, was den Elvis-Fans in London präsentiert wird, hat noch nie zuvor Graceland, das Anwesen von Elvis Presley in Memphis (Tennessee), verlassen. Dort verbrachte Elvis einen großen Teil seines Lebens und dort starb er 1977 auch. Für viele Fans sei es zu teuer, dorthin zu reisen, sagt Kevin Kern, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von Graceland. «Also haben wir einen Teil davon hierher gebracht für die europäischen Fans.»

Mit 345 Artefakten ist «Elvis at the O2: The Exhibition of His Life» der größte Rückblick auf das Leben der Musik-Legende, der bislang in Europa zu sehen war. Obwohl der Schwerpunkt der Ausstellung auf den Gegenständen aus Graceland liegt, soll sie auch Elvis' Leben, seine Wurzeln, ja, die Geschichte des Rock 'n' Roll nacherzählen - «denn das ist das, wofür Elvis steht», sagt Kevin Kern.

Und diese Geschichte beginnt im Wesentlichen mit zwei Liedern, die der junge Lkw-Fahrer, der davon träumt, Sänger zu werden, 1953 für seine Mutter einspielt. Acht Dollar muss der 18-Jährige bezahlen, um das Studio in Memphis nutzen zu dürfen. Die Aufnahmen sollte seine Mutter jedoch nie bekommen: Elvis lässt sie bei einem Freund liegen.

Im Studio aber ist die Büroleiterin auf das Gesangstalent aufmerksam geworden. Und Elvis wird im Laufe seiner Karriere rasch zum ersten Star, den die Vermarktungsmaschinerie für sich entdeckt. «I like Elvis»-Buttons neben «I hate Elvis»-Buttons, Gipsfiguren, Gitarren mit seinem Konterfei und sogar Elvis-Lippenstifte - mit der Aufschrift «Keep me always on your lips» («Behalte mich immer auf deinen Lippen») - werden erfolgreich produziert, verkauft und bringen die Fans ihrem Idol ganz, ganz nah.

In der Londoner O2-Arena liegen der angehimmelte und der wirkliche Elvis dicht beieinander. Gegenüber dem Schaukasten mit den Marketing-Produkten ist eine von zwei Geldbörsen des Sängers drapiert. Die zweite findet sich einige Räume weiter, wo es um den Familienmenschen Elvis Presley geht. Ein Foto im Portemonnaie bildet ihn mit seiner Tochter ab. «Das zeigt, dass er wie viele andere war: Er war Vater», so Kevin Kern.

Ein Vater, der auch privat wohl niemals Jeans trug, der eine Leidenschaft für Pferde, Squash und Karate hatte, dessen Spitzname Tiger war und der sein Haus vor kreischenden Mädchen mit einer Steinmauer schützen musste. Der wegen der weiblichen Fanpost einen extra großen Briefkasten brauchte.

Vor allem eine Sache aber kriegen die Londoner Besucher nicht zu sehen. Elvis' Plattenfirma zerschnitt viele von seinen Klamotten aus den 1950er Jahren für ein Best-of-Album, um jedem Käufer ein Stück davon als «Special Edition» einzupacken. Diese Hemdfetzen befinden sich wahrscheinlich noch immer bei Fans Zuhause.