Muguruza im Wimbledon-Finale: «lang dafür gearbeitet»

Nach ihrem märchenhaften Lauf in das wichtigste Tennis-Finale der Welt ließ sich Garbiñe Muguruza einfach auf den Rasen fallen.

Für einen kurzen Moment lag die 21-Jährige mitten im berühmtesten aller Centre Courts auf dem Bauch, ehe sie sich aufrichtete, ungläubig Richtung Tribüne zu ihrem Trainer Alejo Mancisidor blickte und sich von den Zuschauern feiern ließ.

Nach knapp zwei Stunden besiegte Muguruza die frühere Wimbledon-Finalistin Agnieszka Radwanska mit 6:2, 3:6, 6:3 und zog zum ersten Mal in ihrer noch jungen Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier in das Endspiel ein. «Dafür habe ich mein Leben lang gearbeitet. Ich habe keine Worte, um das zu erklären», sagte die 1,82 Meter große Athletin, die in Venezuela geboren wurde, jetzt aber in Barcelona lebt und auch für Spanien im Fed Cup spielt.

Im Kampf um den Titel trifft Muguruza am Samstag in London entweder auf die Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA oder die Russin Maria Scharapowa. «Ich bin im Finale von Wimbledon, aber jetzt will ich das Turnier auch gewinnen», sagte die Weltranglisten-20 keck. In jedem Fall wird sie im neuen Ranking am kommenden Montag erstmals als Neunte in die Top Ten vorstoßen. Historisches für ihr Land hat sie bereits vollbracht: Muguruza ist die erste Spanierin im Wimbledon-Finale seit Arantxa Sanchez-Vicario im Jahr 1996.

Muguruza hatte auf dem Weg in ihr erstes großes Endspiel nicht nur in der dritten Runde Angelique Kerber aus dem Turnier geworfen und bei ihrem Sieg neun Satzbälle der deutschen Nummer eins im ersten Durchgang abgewehrt. Muguruza schlug auch die gefährliche Kroatin Mirjana Lucic-Baroni, die ehemalige Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki aus Dänemark und die zuletzt überragend aufspielende French-Open-Halbfinalistin Timea Bacsinszky aus der Schweiz.

Gegen Radwanska startete Muguruza furios und entschied nach 34 Minuten den ersten Satz für sich. «Da habe ich richtig gut gespielt», sagte sie. «Dann bin ich ein bisschen nervös geworden.» Die Polin gewann den zweiten Satz, doch im dritten Durchgang zeigte sich Muguruza wieder kampf- und vor allem nervenstark.

Nach 1:56 Stunden endete das Match mit einer skurrilen Situation. Beim Stand von 30:30 stoppte die Wimbledon-Finalistin von 2012 mitten im Ballwechsel auf Anraten ihrer Box, die einen Ball im Aus gesehen hatte. Doch das Hawkeye zeigte, dass Muguruzas Ball knapp die Linie berührte. Die 26 Jahre alte Polin verlor die Challenge, der Punkt zum 40:30 ging an Muguruza, die anschließend auch ihren ersten Matchball verwandelte, den Schläger fallen ließ und auf den Rasen sank.