Londoner Theater werden nach Deckeneinsturz auf Sicherheit überprüft

Einen Tag nach dem verheerenden Deckeneinsturz im Londoner Apollo-Theater mit Dutzenden Verletzten haben Experten am Freitag mit der Suche nach der Ursache begonnen.

Als erste Konsequenz aus dem Drama gab der zuständige Stadtrat von Westminster bekannt, dass alle historischen Theater in der Londoner Innenstadt als «Vorsichtsmaßnahme» auf ihre Sicherheit hin überprüft werden. Erste Untersuchungen durch Sachverständige hätten ergeben, dass die Deckenstruktur im Apollo-Theater stabil war, sagte Ratssprecherin Nicola Aiken. Es sei «nur Putz» von der Decke gefallen.

Bei dem Unglück am Donnerstagabend waren knapp 80 Theaterbesucher durch herabstürzende Trümmer verletzt worden, 7 von ihnen schwer. Nach jüngsten Angaben von Rettungskräften waren am Freitag noch 2 Verletzte im Krankenhaus. Das Deckenteil stürzte mitten in einer Vorstellung in dem mit 720 Besuchern nahezu voll besetzten Theater ein. Unter ihnen waren viele Familien mit Kindern. Wie durch ein Wunder wurde niemand getötet, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Demnach fielen rund zehn Quadratmeter Gipsputz von der Stuckdecke des mehr als 100 Jahre alten Theaters herab.

Die Besitzer des Apollo-Theaters, Nimax Theatres, sprachen am Freitag von einem «schockierenden Zwischenfall». Die Vereinigung der Theaterbetreiber, die Society of London Theatre, warnte vor voreiligen Schlüssen über die Sicherheit der älteren Londoner Theater. Die Sicherheitsauflagen seien strikt und würden rigoros befolgt. «Unsere Theater in London haben jeden Abend mehr als 32 000 Gäste. Alle Theater nehmen die Sicherheit ihrer Zuschauer, Darsteller und Angestellten sehr ernst», hieß es in einer Mitteilung der Vereinigung.

In britischen Medien gab es am Freitag Spekulationen, dass der Einsturz möglicherweise durch das Eindringen von Wasser durch Risse im Dach ausgelöst worden sein könnte. Kurz vor der Vorführung war ein schweres Gewitter über die Stadt niedergegangen. Auch der Aspekt der vorherrschenden Wetterbedingungen werde Teil der Untersuchungen sein, versicherte Ratssprecherin Aiken.

Besucher, die das Stück «The Curious Incident of the Dog in the Night-Time» («Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone») nach dem gleichnamigen Bestseller von Mark Haddon sahen, berichteten mehreren britischen Medien, vor dem Einsturz Tropfgeräusche, aber auch Rieseln und Knarren gehört zu haben. In den oberen Rängen hätten dann reihenweise Zuschauer ihre Plätze verlassen. Viele glaubten zunächst, der Krach sei Teil der Vorstellung. Trotz Panik sei die Evakuierung ruhig verlaufen.

Die meisten Opfer erlitten Kopfverletzungen und Schnittwunden durch herabstürzenden Gipsputz und Holzbrocken. Viele wurden vor Ort und in benachbarten Theatern von Sanitätern behandelt. Londoner Busse wurden zum Transport der Verletzten eingesetzt. Premierminister David Cameron dankte den Rettungskräften für ihren schnellen Einsatz. Bürgermeister Boris Johnson sprach von einem «unglaublichen» Einsatz der Rettungskräfte unter äußerst schwierigen Umständen.