Lufthansa-Chef Spohr: Helfen solange wie nötig

Les-Alpes/Haltern (dpa) - Gut eine Woche nach dem Germanwings-Absturz hat die Lufthansa den Angehörigen der Opfer langfristige Hilfe versprochen und den Helfern in Frankreich gedankt.

«Wir helfen nicht nur diese Woche. Wir möchten solange helfen, wie Hilfe benötigt wird», sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einem erneuten Besuch mit Germanwings-Chef Thomas Winkelmann an der Unglücksstelle an. Zu den neuen Details über die Erkrankung des Copiloten äußerte sich Spohr am Mittwoch nicht. In der westfälischen Stadt Haltern sollte am späten Nachmittag ein öffentlicher Gottesdienst stattfinden.

In den französischen Alpen trafen auch zwei Bundeswehr-Hubschrauber ein. Sie sollen sich spätestens ab Donnerstag an den Bergungsarbeiten am Unglücksort beteiligen. Die Besatzungen bestehen aus je drei Soldaten. Zusätzlich sind drei Wartungskräfte dabei. Die Hubschrauber waren am Morgen im baden-württembergischen Niederstetten gestartet. Frankreich hatte um die Hilfe der Bundeswehr gebeten. Darüber hinaus kam ein Ermittlerteam aus Düsseldorf an der Absturzstelle an. Mit den vier deutschen Polizisten flogen die vier französischen Ermittler, die die Arbeit in Düsseldorf bisher unterstützt hatten. Zum deutschen Team gehört ein Spezialist des Landeskriminalamts für lasergestützte Tatortvermessung und digitale Spurenkarten.

An der Absturzstelle wurden derweil weiter persönliche Gegenstände der Toten gesichert. Die Bergung der Opfer war nach Angaben der Gendarmerie am Dienstag abgeschlossen worden. Außerdem ging die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter.

In Le Vernet nahe dem Absturzort drückte Lufthansa-Chef Spohr abermals sein tiefes Bedauern über die Katastrophe aus und betonte: «Nichts wird mehr sein wie vorher.» Mit Blick auf die Hilfe vor Ort zeigte sich der Konzernchef zugleich «tief beeindruckt von der Professionalität, der Energie, dem Mitgefühl und der Sympathie».

Auch Helfern und Anwohnern sagte er Hilfe der Lufthansa zu, die Folgen des Absturzes in der vergangenen Woche zu bewältigen. Die gute Zusammenarbeit mit den französischen Verantwortlichen sei eine große Hilfe für Lufthansa und das Tochterunternehmen Germanwings. Auf Fragen gingen Spohr und Winkelmann nicht ein. Anschließend trafen sie in Marseille noch mit Angehörigen von Opfern zusammen.

Der Airbus war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in den französischen Alpen zerschellt. 150 Menschen starben. Der 27 Jahre alte Copilot Andreas L. wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet. Für den Unglückstag war er krankgeschrieben.

Am Dienstagabend hatte die Lufthansa mitgeteilt, dass L. die Lufthansa schon während seiner Ausbildung über eine «abgeklungene schwere depressive Episode» informiert hatte. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 die Verkehrsfliegerschule in Bremen unterrichtet. «Die Unterlagen wurden erneut durchgesehen inklusive der E-Mails», erläuterte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt am Main.

Diese «neue Erkenntnis» sei vom Unternehmen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Von der Ermittlungsbehörde war am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme dazu zu erhalten. Bereits bekannt war, dass der Copilot des Germanwings-Flugs 4U9525 in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten gehabt hatte.

Das Bundesverkehrsministerium will vor Entscheidungen über mögliche Konsequenzen für die Pilotenauswahl die weiteren Ermittlungen abwarten. Die bestehenden Anforderungen an die Flugtauglichkeit von Piloten bei Bewerbungen und den jährlichen Überprüfungen seien hoch, sagte eine Sprecherin. Die Erkenntnisse seien in Ruhe auszuwerten, um dann möglicherweise Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen.

Im westfälischen Haltern wollten sich die Menschen zu einem ökumenischen Gottesdienst versammeln. Die Pfarrer der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel hatten für 17 Uhr in die St.-Sixtus-Kirche eingeladen. Es wurden viele Teilnehmer erwartet, deshalb sollte der Gottesdienst über Lautsprecher auch nach draußen übertragen werden. Unter den Opfern der Tragödie sind 16 Schüler und 2 Lehrerinnen eines Halterner Gymnasiums.

Zu Berichten über einen angeblichen Mitschnitt des Unglücks aus dem Inneren der Maschine sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin Nachrichtenagentur AFP, Videos seien bislang nicht Gegenstand der Untersuchung. Für den Fall, dass jemand über ein Video verfüge, solle dies unverzüglich an die Ermittler übergeben werden.

Bereits am Dienstagabend hatte Robin der Deutschen Presse-Agentur gesagt, er wisse nichts von einem Video-Fund. Es seien eine Reihe von Handys gefunden worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand. «Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können.»

Ein Video aus der Germanwings-Unglücksmaschine soll Medienberichten zufolge Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs 4U9525 zeigen. «Bild» und das französische Magazin «Paris Match» berichteten, Mitarbeiter hätten die Sequenz ansehen können. Das Video sei am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre. Der Zeitung zufolge ist die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar. Die Echtheit des Videos sei unzweifelhaft.