Lufthansa-Piloten beginnen neuen Streik

Der erneute Streik der Piloten hat die Lufthansa und ihre Passagiere wieder hart getroffen.

Auf einer von der Fluggesellschaft im Internet veröffentlichten Liste finden sich bis inklusive Mittwoch 1396 gestrichene Verbindungen, die wegen des Arbeitskampfes nicht angeboten werden können. Rund 150 000 Passagiere seien betroffen, teilte die Lufthansa in Frankfurt mit.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte ihre Mitglieder aufgerufen, von Montagmittag an die Arbeit niederzulegen. Er gehe davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Mitglieder dies befolgten, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Bis Dienstag um Mitternacht sollen zunächst die Zubringerflüge zu den Drehkreuzen München und Frankfurt sowie später dann auch der Interkontinental- und der Frachtverkehr bestreikt werden. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sowie der Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines sind von dem Streik nicht betroffen.

Hintergrund der mittlerweile neunten Streikrunde in diesem Jahr sind die erneut gescheiterten Verhandlungen unter anderem zur Übergangsversorgung der rund 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Außerdem will der größte Luftverkehrskonzern Europas am Mittwoch ein neues Billigflieger-Konzept beschließen, bei dem Flugzeuge nicht von Lufthansa-Piloten geflogen werden sollen.

Die Deutsche Bahn will die Folgen für die Passagiere abmildern. An den Streiktagen werde man an den erwarteten Schwerpunkten Frankfurt und München zusätzliches Personal zur Information der Reisenden einsetzten, teilte das Unternehmen in Berlin mit. Auch zusätzliche Züge könnten für besonders ausgelastete Strecken zum Einsatz kommen. Lufthansa-Kunden können ihr Flugticket für innerdeutsche Verbindungen online, an Check-In-Automaten und an den Lufthansa-Schaltern in Bahn-Gutscheine umwandeln, mit denen man in den Zug einsteigen kann.

Die Verhandlungen zwischen der Pilotengewerkschaft und der Fluglinie waren in der Nacht zum Samstag erneut gescheitert. Gestritten wird vordergründig vor allem um die Übergangsversorgung für die rund 5400 Piloten im Konzern. Derzeit gehen die Piloten im Durchschnitt mit knapp 59 Jahren in den von der Firma bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will diesen Schnitt für die Bestandspiloten in Schritten auf 61 Jahre erhöhen. Die VC stört sich daran, dass für neue Piloten bislang keinerlei finanzielle Unterstützung für den Vorruhestand vorgesehen ist.

Strittig sind zudem die Gehälter der Piloten und die künftige Billig-Strategie des neuen Konzernchefs Carsten Spohr, die aber nicht Gegenstand der Tarifverhandlungen ist. Das Konzept soll unter dem Titel «Wings» am Mittwoch vom Aufsichtsrat des DAX-Konzerns beschlossen werden soll. Beim bereits existierenden Billigableger Eurowings und einer geplanten neuen Billigtochter für die Langstrecke soll der gerade umstrittene Konzerntarifvertrag nicht gelten. Piloten und Flugbegleiter würden deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen in den Maschinen mit dem Kranichlogo. Auch die komfortable Übergangsversorgung vor dem Renteneintritt käme ihnen nicht zugute.