Lufthansa: Trotz Streikaufrufs normales Programm in Frachtsparte

Im Dauerstreit mit der Lufthansa nehmen die Piloten die Frachtsparte in Visier. Doch die nächste Streikwelle ist womöglich schon gebrochen, bevor sie sich aufbaut: Das Unternehmen will trotz des Streikaufrufs das komplette Programm fliegen.

Die Lufthansa will den Streikaufruf der Piloten für die Frachtsparte ins Leere laufen lassen. «Wir planen, alle Flüge trotz des Streikaufrufs durchzuführen», sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Dienstag in Frankfurt. Zwei der 21 betroffenen Flüge von Frankfurt aus würden vorgezogen, für die übrigen habe sich ausreichend Personal gefunden.

In der Tarifauseinandersetzung um die Vorruhestandsregelungen der Piloten hatte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihre Mitglieder für diesen Mittwoch und Donnerstag zu Arbeitsniederlegungen bei der Frachttochter Lufthansa Cargo aufgerufen. Dauern sollte der Ausstand von Mittwochmorgen um 3.00 Uhr bis Donnerstagabend um 22.30 Uhr.

VC-Sprecher Jörg Handwerg betonte, die Gewerkschaft halte trotz der Gegenmaßnahmen am Streik fest. Ein wirtschaftlicher Schaden entstehe der Lufthansa auf jeden Fall.

Es ist die mittlerweile sechste Streikwelle in dem Tarifstreit. Bislang wurden im härtesten Ausstand der Lufthansa-Geschichte mehr als 4300 Flüge gestrichen, eine knappe halbe Million Fluggäste waren betroffen. Dieses Mal sollten die Passagiere verschont bleiben.

Die Lufthansa erklärte, es werde grundsätzlich etwa die Hälfte der Fracht von Lufthansa Cargo an Bord der Passagierflugzeuge von Lufthansa und Austrian Airlines befördert. So gelinge es insgesamt, die Auswirkungen für die Kunden sehr gering zu halten.

Lufthansa Cargo selbst betreibt 19 reine Frachtmaschinen und beschäftigt knapp 450 Piloten. Diese fallen zwar - wie ihre Kollegen der zuvor bestreikten Lufthansa-Passage - unter den Konzerntarifvertrag, haben aber eine vergleichsweise schlechtere Übergangsversorgung.

Frachtpiloten konnten bisher frühestens mit 60 Jahren in den vom Unternehmen finanzierten Vorruhestand gehen, fünf Jahre später als ihre Passage-Kollegen. Das durchschnittliche Eintrittsalter in den Vorruhestand habe bei Cargo in den vergangenen fünf Jahren bei 63,2 Jahren gelegen, erklärte das Unternehmen. Für die Passage-Piloten wurde ein durchschnittliches Eintrittsalter von 58,9 Jahren genannt.

Lufthansa nannte den erneuten Streikaufruf der VC «weder verständlich noch verhältnismäßig», da die Arbeitgeberseite Kompromissbereitschaft gezeigt und weitere Verhandlungen angeboten habe. Von den vorgeschlagenen Anpassungen der Übergangsversorgung sei kein einziger Cargo-Pilot betroffen. Die VC ihrerseits forderte den Lufthansa-Vorstand zu Signalen auf, «die eine Wiederaufnahme konstruktiver Verhandlungen ermöglichen».