Lufthansa und Flugbegleiter haben sich ineinander verkeilt

Nach 13 Pilotenstreiks bei der Lufthansa stehen nun erstmals in der laufenden Tarifrunde die Flugbegleiter vor einem Arbeitskampf.

Lufthansa und Flugbegleiter haben sich ineinander verkeilt
Frank Rumpenhorst Lufthansa und Flugbegleiter haben sich ineinander verkeilt

Zwei Jahre lang hat die Gewerkschaft Ufo mit dem Unternehmen neben vielen anderen Themen auch über die komplexen Regeln zu den Betriebs- und Übergangsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern verhandelt. Im Unterschied zur kampfeslustigen Vereinigung Cockpit haben die Flugbegleiter bislang mit Streiks nur gedroht. Wenn nicht bis heute Nachmittag noch eine Lösungsperspektive deutlich wird, wird sich das aber ändern.

Wie weit sind die Verhandlungspartner eigentlich auseinander?

Eigentlich gar nicht so weit. Zu den Gehältern hat man sich sogar schon geeinigt, das Ergebnis aber auf Eis gelegt. Den ganz großen Stein hatte Ufo schon im Herbst 2014 aus dem Weg geräumt, als die Gewerkschaft dem grundsätzlichen Systemwechsel bei den Renten zustimmte. Statt Renten zu garantieren, will Lufthansa ihren Beschäftigten künftig nur noch feste Zuschüsse zur Altersversorgung zahlen, was insbesondere das Eigenkapital entlasten würde. Strittig sind die exakte Höhe der Zuzahlungen und der Empfängerkreis, denn Ufo will Neueingestellte möglichst gleich stellen.

Welche Rolle spielt dabei die Zinsentwicklung?

Entscheidend für die Höhe der späteren Rentenzahlungen ist im geplanten neuen System insbesondere die Verzinsung des angesparten Kapitals: Lufthansa geht bei ihrer bevorzugten Beispielrechnung von einer langjährigen Rendite von 5,5 Prozent aus, Ufo hält hingegen höchstens 4,9 Prozent für realistisch. 2014 erwirtschaftete der Pensionsfonds der Lufthansa eine Rendite von 6,5 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren waren es im Schnitt 5,6 Prozent. Der Dax-Konzern preist sein Angebot als beste Versorgung, die bei einer deutschen Airline geboten werde, auch weil künftig nicht genutzte Übergangsrenten zu den Betriebsrenten zuaddiert werden könnten.

Und warum kommt es jetzt vermutlich doch zum Streik?

Offenbar hat sich Lufthansa mit ihrer Verhandlungstaktik verzockt. Mit der «Agenda Kabine» sollte eine Vielzahl der aufgelaufenen Tarifprobleme mit Ufo gelöst werden, die im Hintergrund immer noch eine wichtige Rolle spielen. Zudem wurden mit einem Bündnis für Wachstum Hoffnungen auf neue Jobs bei der Lufthansa-Mutter geweckt, die allerdings derzeit eher schrumpft. Gleichzeitig wird zum Ärger der Gewerkschaften die Billigtochter Eurowings außerhalb deutschen Tarifrechts aufgebaut. Ufo-Chef Nicoley Baublies musste zuletzt einräumen, mit seiner moderaten Verhandlungslinie auch nicht weiter gekommen zu sein als die streiklustigen Piloten.

Wie streikfreudig sind die Flugbegleiter der Lufthansa?

Bislang galten sie in dieser Beziehung als eher zurückhaltend, lange Jahre sogar als überhaupt nicht streikfähig. Das hat sich erst im September 2012 geändert, als Ufo bereits unter der Führung von Baublies die Mitglieder an drei Tagen zu Streiks aufrief. Am Tag des bundesweiten Ausstandes fielen rund 1000 von 1800 geplanten Flügen aus. Es ging um Gehälter und die künftige Laufbahnstruktur, für die schließlich der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup als Schlichter komplexe Lösungen fand. Im laufenden Konflikt ist es bislang bei Drohungen geblieben.

Könnte eine Schlichtung den Streit noch stoppen?

Lufthansa hat eine Schlichtung angekündigt, kann Ufo aber zumindest in der Frage der Übergangs- und Altersversorgung nicht dazu zwingen. Hier ist nämlich bereits eine Schlichtung mit den früheren Politikern Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Friedrich Merz (CDU) gescheitert. Die Gewerkschaft konzentriert daher ihre Forderung auf dieses Thema, um sich juristisch nicht angreifbar zu machen. Den Fehler der Piloten, die Tarifverhandlung zu eng mit unternehmerischen Fragen zur Eurowings zu verknüpfen, will Baublies nicht wiederholen.

Wie ist der Stand bei den anderen Berufsgruppen?

Lufthansa ist auch beim Bodenpersonal und bei den Piloten noch weit von Rentenlösungen entfernt. Die Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle hat gerade erneut betont, dass ihre Gewerkschaft auf Garantierenten besteht. Auch die Piloten zeigten sich bislang zum Systemwechsel nicht bereit. Weil drei Gewerkschaften gleichzeitig über dasselbe Thema verhandeln, ist zudem die Gefahr einer gegenseitigen Blockade groß, weil keiner einen zu niedrigen Pilotabschluss vorlegen will.

Warum gibt es denn keine gemeinsamen Verhandlungen mit allen beteiligten Gewerkschaften?

Angeblich sind alle dafür, aber praktisch handeln alle Parteien entgegengesetzt. Lufthansa hatte bereits vor Kündigung der Versorgungstarifverträge zum Jahresende 2013 die drei Gewerkschaften zu Verhandlungen aufgefordert, was diese wegen des fehlenden Drucks damals aber ablehnten. Nach der Kündigung hat das Unternehmen mit der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sowie Ufo und Verdi jeweils getrennte Verhandlungen begonnen. Auf der gewerkschaftlichen Seite herrscht zudem tiefes Misstrauen untereinander.