Löw grantelt nach Minisieg - Müller stellt Sinnfrage

Joachim Löw war nach dem zu niedrig ausgefallenen Pflichtsieg in der EM-Qualifikation gegen die Fußball-Amateure von Gibraltar richtig bedient.

Löw grantelt nach Minisieg - Müller stellt Sinnfrage
Daniel Karmann Löw grantelt nach Minisieg - Müller stellt Sinnfrage

«Ich bin nicht zufrieden, weil ein 4:0 ganz einfach für uns zu wenig ist und zu wenig Tore gefallen sind. Ich hätte mir von der Mannschaft mehr erwartet», grantelte der Bundestrainer in Nürnberg. Fehlendes Tempo, schlechtes Passspiel und mangelnde Torgefahr bemängelte Löw. Gegen den UEFA-Neuling reichte es für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nur zu den Toren von Thomas Müller (12./29. Minute), Mario Götze (38.) und Yogan Santos (67./Eigentor)

Nach dem Titel-Rausch von Brasilien und er folgenden unbefriedigenden zweiten Jahreshälfte setzt der DFB-Chefcoach nun auf die Weihnachtszeit als dringend benötigte schöpferische Pause für seine Weltmeister. «Im neuen Jahr, nach einer Winterpause und drei Wochen Vorbereitung, bin ich mir sicher, dass sie auch körperlich und geistig frischer sind», sagte Löw.

Doppeltorschütze Müller, der sein Konto in der EM-Qualifikation auf vier Tore und seine Jahresbilanz sogar auf zehn Treffer schraubte, bezweifelte den Sinn des ungleichen Kräftemessens gegen den auf radikale Defensive ausgerichteten Gegner. «Ob man unseren Profikalender mit solchen Pflichtspielen auffüllen muss, ist die große Frage.» Toni Kroos artikulierte den Frust-Faktor eines einseitigen Spiels. «Jede Mannschaft kann heutzutage mit neun Mann hinten drin stehen und verteidigen.»

Löw konnte sich nicht einmal zu einem Lob für den wackeren Gegner durchringen. «Ich war nicht beeindruckt von Gibraltar. Ich habe gesehen, dass Gibraltar gelernt hat zu verteidigen. Sie müssen verteidigen, sie spielen immer so. Aber wenn wir unser Spiel mit aller Konsequenzen durchgezogen hätten, hätten sie einige Tore mehr kassiert.»

Durch den relativ knappen Sieg verbesserte sich die DFB-Elf in der Gruppe D mit sieben Zählern nur auf den dritten Rang hinter den punktgleichen Iren. Im kommenden Jahr soll dann auf dem weiter fest anvisierten Weg zur EM-Endrunde in Frankreich auch Spitzenreiter Polen (10 Punkte) möglichst rasch eingeholt werden.

Das vorab versprochene freie Wochenende für Müller und Co. wollte Löw nicht streichen. «Ich werde es mir nicht anders überlegen. Es ist auch nicht notwendig, dass die Spieler zwei Tage im Hotel sitzen. Was das Training betrifft, können wir keine Akzente setzen in ein, zwei Tagen», begründete Löw. Am Sonntagabend müssen die Nationalspieler in München im Teamhotel sein, bevor es am Montag zum Jahresabschluss nach Vigo zum Duell mit dem alten Rivalen Spanien geht.