Macke und Konsorten: Expressionismus feiert Jubiläum

Schwere Striche, krachende Farben: Die «Gemüsefelder» von August Macke (1887-1914) leuchten derart an der Wand des Bonner Kunstmuseums, dass die Kohlköpfe aus dem Bild zu springen scheinen. Schon im Jahr 1913 organisierte der Künstler in Bonn eine Ausstellung mit Werken befreundeter Expressionisten.

Macke und Konsorten: Expressionismus feiert Jubiläum
Marius Becker

Nun, 100 Jahre später, führt das Kunstmuseum rund 120 Stücke der damals beteiligten Künstler zu einer Ausstellung zusammen: «Ein expressionistischer Sommer - Bonn 1913».

Zwei der jetzt ausgestellten Werke waren laut Kuratorin Irene Kleinschmidt-Altpeter mit Sicherheit Teil der einstigen Schau, die 1913 ihren Besuchern einen Einblick in die expressionistische Entwicklung der Kunst gab. Welche Werke damals zur sehen waren, sei bis heute nicht vollständig bekannt. Es habe sich wohl um eine gemischte Ausstellung mit Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und auch Scherenschnitten gehandelt.

Zu den Künstlern, die damals wie heute vertreten sind, zählen Max Ernst (1891-1976), Heinrich Campendonk (1889-1957) und Paul Adolf Seehaus (1891-1919). Die Schau öffnet an diesem Donnerstag und dauert zum 29. September.

Macke nutzte damals seine guten Kontakte in der Kunstszene, um eine repräsentative Ausstellung der Rheinischen Expressionisten in seinem Wohn- und Schaffensort Bonn auf die Beine zu stellen. Die aktuelle Zusammenstellung solle nun «eine Ausstellung sein, die ein Epochenphänomen beleuchtet», sagt der Intendant des Kunstmuseums Bonn, Stephan Berg. Mit seiner Macke-Sammlung ermöglicht das Kunstmuseum Bonn darüber hinaus neben der Jubiläums-Ausstellung einen weiteren Blick in das Schaffen des Künstlers.

Es gehe nicht um eine möglichst genaue Rekonstruktion der damaligen Ausstellung, sagte Kuratorin Kleinschmidt-Altpeter bei der Vorstellung am Dienstag. Vielmehr solle die Auswahl auch gegenseitige stilistische Anregungen der damaligen Künstler verdeutlichen.

In drei Räumen präsentiert das Museum neben Gemälden auch Schnitzereien, Bronzegüsse und Scherenschnitte der beteiligten 14 Künstler und zwei Künstlerinnen. Etwa ein Drittel davon wurde den Bonnern von anderen Museen und Sammlern zu Verfügung gestellt. Unter den Werken sind prominente Arbeiten wie der nachtschwarze «Leuchtturm mit rotierenden Strahlen» von Paul Adolf Seehaus aus dem Jahr 1913 und Mackes farbenprächtige «Kinder im Garten» von 1912. Zahlreiche Motive entspringen außerdem Bonn und dem Umland der Stadt.