Maddies Eltern hoffen auf «Aktenzeichen XY»

Die Eltern der vor sechs Jahren in Portugal verschwundenen Madeleine McCann kommen heute nach Deutschland. Am Abend (20.15 Uhr) stehen sie in München für die ZDF-Fahndungssendung «Aktenzeichen XY...ungelöst» vor der Kamera.

Maddies Eltern hoffen auf «Aktenzeichen XY»
Christian Charisius Maddies Eltern hoffen auf «Aktenzeichen XY»

Dafür wird die Sendezeit des Magazins mit Moderator Rudi Cerne von 90 auf 120 Minuten verlängert. Kate und Gerry McCann werden von Detective Chief Inspector Andy Redwood von der Metropolitan Police London begleitet. Nach Angaben der PR-Agentur, die die Sendung im ZDF-Auftrag betreut, reisen sie erst kurz vor der Sendung in München an und verlassen die Stadt früh am nächsten Morgen.

Die damals dreijährige Madeleine (Maddie) verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Clubanlage in Praia da Luz an der portugiesischen Südküste. In der ZDF-Sendung werden unter anderem Phantombilder zweier Männer präsentiert, die sich auf Deutsch unterhielten. «Sechs Jahre lang haben wir nicht aufgegeben, weltweit nach unserer Tochter zu suchen», sagten die McCanns dem ZDF. «Jetzt gibt es neue Informationen, neue Hoffnung. Wir freuen uns sehr, dass uns "Aktenzeichen XY" die Gelegenheit gibt, den deutschen Zuschauern die neuen Ermittlungsansätze zeigen zu dürfen. Vielleicht können Sie uns helfen, Madeleine doch noch zu finden.»

Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer, kritisierte die Veröffentlichung neuer Phantombilder im Fall Maddie allerdings scharf. «Es ist kriminalistisch Unsinn zu hoffen, dass sechs Jahre nach der Tat auf der Basis von damaligen Zeugenaussagen heute Phantombilder erstellt werden können, und dass diese zweifelhaften Bilder auch noch brauchbare Hinweise bringen könnten», sagte Pfeiffer den «Stuttgarter Nachrichten» (Mittwoch). Dazu sei das menschliche Gedächtnis einfach zu schlecht.

Viele Menschen in Portugal, wo Madeleine verschwand, lässt die Entwicklung in dem Fall eher kalt. Während die meisten portugiesischen Medien eher knapp und emotionslos über die neuen Erkenntnissen von Scotland Yard berichten, können sich einige Bürger in Lissabon nicht für den Fall erwärmen. Die 72-jährige Rentnerin Clara sagt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa das, was die meisten denken: «So viele Kinder verschwinden tagtäglich, wieso wird ausgerechnet um diesen Fall so viel Aufhebens gemacht? Hier haben wir Krise und viele hungern.» Andere sagen geradeheraus, dass sie das Thema nicht interessiert.