Grotesk: Barça holt Turan für 34 Millionen als Zuschauer

Für einen Wechsel zum Spanien-Meister und Champions-League-Sieger FC Barcelona nimmt der türkische Fußball-Star Arda Turan große Opfer in Kauf.

Der offensive Mittelfeldmann werde aufgrund des vom Weltverband FIFA auferlegten Transferverbots erst im Januar 2016 sein offizielles Debüt im Barça-Trikot feiern können, teilte der Club auf Anfrage mit. Zuvor hatten die Katalanen mitgeteilt, dass der bisherige Profi von Atlético Madrid für eine Ablöse von 34 Millionen Euro plus Nachzahlungen von bis zu sieben Millionen verpflichtet worden sei und einen Fünfjahresvertrag unterzeichnen werde.

Der Transfer warf in Spanien sofort viele Fragen auf. Die Zeitung «El Mundo» bezeichnete das Geschäft als «grotesk». Zum einen, weil ein 28-Jähriger sich freiwillig bereiterklärt, eine - womöglich leistungsmindernde - Pause von sechs Monaten einzulegen. Und zum anderen, weil am 18. Juli bei den «Blaugranas» Präsidenten-Wahlen anstehen und sich die Katalanen deshalb das Recht vorbehalten, das Geschäft bis zum 20. Juli unter Verlust von 3,4 Millionen Euro rückgängig zu machen - falls der neue Presidente es so will.

Turan hüllte sich vorerst in Schweigen, präsentierte sich aber in seinem Profilbild auf Facebook schon im blauroten Trikot seines neuen Arbeitgebers. Der Türke, so hatten spanische Medien seit Wochen berichtet, wollte trotz der vielen Erfolge der vergangenen Jahre die Madrider «Colchoneros» (Matratzenmacher) auf jeden Fall verlassen und zu einem Topteam wechseln. Da auch Chelsea am trickreichen Aufbauspieler dran war, musste Barcelona schnell handeln. «Sonst hätten wir den Spieler verlieren können», erklärte der Vorsitzende der Verwaltungskommission des Clubs, Ramón Adell.

Wie Turan wird auch die zweite Verstärkung des Sommers, der für 20 Millionen von Sevilla geholte linke Außenverteidiger Aleix Vidal (25), offiziell bis Januar nicht spielen dürfen. Für einen Wechsel nach Barcelona wollen indes nicht alle Topspieler eine sechsmonatige Pause einlegen. Der Franzose Paul Pogba von Juventus Turin habe deshalb zunächst dankend abgesagt, schrieben spanische Medien.​

Barcelona hatte vor einigen Monaten mit Hilfe von Rechtsanwälten ein Schlupfloch im Transferverbot der FIFA gefunden: Eine Vertragsunterzeichnung kann man dem Verein demnach nicht untersagen - wohl aber die Meldung eines Spielers für Meisterschaften und offizielle Turniere. Die Verstärkungen bei einem anderen Club zu parken, gehe nicht, weil Barça dafür den «International Transfer» der FIFA beantragen müsste.

Die Kritik der Medien ist dem bisherigen Clubboss Josep Maria Bartomeu, der nach dem Triple-Erfolg erneut für das Amt des Präsidenten kandidiert, völlig egal. «Die Verpflichtung von Turan ist eine tolle Nachricht. Warum warten? So sind wir bei Barça. Wenn wir einen Spieler wollen, holen wir ihn uns», sagte der 52-Jährige.

Turan hat seine Karriere bei Galatasaray Istanbul begonnen und war 2011 nach Madrid gewechselt. Bei Atlético erzielte er in 123 Pflichtspielen 13 Treffer. Der 79-fache Nationalspieler gewann mit dem spanischen Traditionsclub viele Titel, darunter den Pokal (2013) und die Landesmeisterschaft (2014) sowie die Europa League (2012). 2014 erreichte er das Finale der Champions League. Mit Barça will er nach der schöpferischen Pause aber noch viel mehr gewinnen.