Magna übernimmt den deutschen Zulieferer Getrag

Die Neuordnung bei den Autozulieferern geht weiter: Der kanadisch-österreichische Konzern Magna kauft für etwa 1,75 Milliarden Euro den deutschen Getriebehersteller Getrag, wie beide Unternehmen mitteilten.

Magna übernimmt den deutschen Zulieferer Getrag
Hendrik Schmidt Magna übernimmt den deutschen Zulieferer Getrag

Mit Magna an der Seite stoße Getrag in eine ganz neue Dimension vor, sagte der Chef des bisherigen Familienunternehmens, Mihir Kotecha. Mit dem neuen Eigentümer werde das Unternehmen künftig noch robuster gegenüber Marktschwankungen.

Magna-Chef Don Walker sagte, im Zuge der laufenden Überprüfung habe man festgestellt, dass der Ausbau des Bereichs Antriebsstrang eine strategische Priorität habe. Getrag sei ein Technologieführer in seinem Produktbereich. Im Zuge des Geschäfts übernimmt Magna auch Schulden in Höhe von 700 Millionen Euro. Insgesamt werde damit der mehr als 80 Jahre alte Familienbetrieb aus Untergruppenbach in Baden-Württemberg bei dem Geschäft mit 2,45 Milliarden Euro bewertet.

Der konsolidierte Umsatz betrug im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro, hinzukommen weitere 1,6 Milliarden Euro an Erlösen aus Gemeinschaftsunternehmen. Getrag stellte im vergangenen Jahr 3,9 Millionen Getriebe her und beschäftigte weltweit 13 500 Mitarbeiter, davon 4950 in Deutschland.

Es sei kein Stellenabbau geplant, sagte ein Getrag-Sprecher auf Anfrage. Insgesamt besitzt das Unternehmen weltweit 23 Produktions- und Entwicklungsstandorte. Der Zulieferer war 2009 - während der weltweiten Wirtschaftskrise - mit einer Bürgschaft vom Land Baden-Württemberg gestützt worden, damit die Arbeitsplätze geschützt werden. Mittlerweile kann der Zulieferer aber sein Wachstum aus dem laufenden Geschäft finanzieren.

Magna will die Übernahme bis Ende 2015 abschließen. Dem Geschäft müssen die Kartellbehörden noch zustimmen. Im Jahr 2010 hatte es zwischen Magna und Getrag schon einmal Gespräche gegeben, wie die «Heilbronner Stimme» berichtete.

Bosch ist vor Magna nach Berechnungen der Branchenzeitung «Automobilwoche» weiter der weltgrößte Autozulieferer. In der Branche ist seit geraumer Zeit Bewegung.

Das Stiftungsunternehmen ZF Friedrichshafen mit Sitz am Bodensee kaufte in der Vergangenheit den US-Zulieferer TRW Automotive für umgerechnet rund 12,4 Milliarden US-Dollar gekauft. Das Unternehmen rückte damit unter die größten Zulieferer weltweit auf, steigt ins Geschäft mit Elektronik und Sicherheitstechnik im Auto ein und baut sich neue Kompetenz beim automatisierten Fahren auf. Zusammen kommen ZF und TRW derzeit auf rund 30 Milliarden Euro Jahresumsatz und beschäftigen etwa 138 000 Beschäftigte weltweit.