Mahner und Partyplaner Bierhoff omnipräsent

Mit rußverschmiertem Gesicht und Grubenlampe auf dem Kopf lächelte Oliver Bierhoff beim PR-Termin in der Steinkohle-Zeche Auguste Victoria. Zum Training der Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Irland schnürte der DFB-Teammanager danach wieder selbst die Fußballschuhe.

Mahner und Partyplaner Bierhoff omnipräsent
Ina Fassbender Mahner und Partyplaner Bierhoff omnipräsent

Das Stadion mit dem vom DFB generös für nur zwei Übungseinheiten frisch verlegten Pico-Bello-Rasen kennt Bierhoff bestens. Am Uhlenkrug ist sein Heimatverein Schwarz-Weiß Essen zu Hause. Um eine Sponsorenkampagne des DFB-Pokalsiegers von 1959 und derzeit wenig potenten Oberligisten anzukurbeln, posierte der 46-Jährige selbstverständlich für die Fotografen.

Anstrengende wie bewegende Tage erlebte Bierhoff im Ruhrgebiet. «Es ist schön, mal wieder hier zu sein», sagte er kurz vor dem Ende des mit dem WM-Titel gekrönten Länderspiel-Jahres. Es ist auch das Jahr des Oliver Bierhoff. Sein Beitrag für den Titelrausch in Rio macht sich besonders an seinem steten Kampf für das WM-Quartier Campo do Bahia fest. Gegen viele Widerstände hatte der Ex-Stürmer die neu erbaute Ferienanlage mit WG-Charakter am Atlantikstrand verteidigt.

Bevor in der EM-Qualifikation am 14. November in Nürnberg gegen den ultimativen Underdog aus Gibraltar und vier Tage später in Vigo gegen Ex-Champion Spanien die letzten Länderspiele des Jahres anstehen, ist Bierhoff wieder einmal als Partyplaner gefragt. «Wir wollen abseits des Rasens nochmal ein Feuerwerk abbrennen», kündigte er an.

Vier Monate nach der großen Titelfeier auf der Berliner Fanmeile wird in einem Kino der Hauptstadt der 90-Minuten-Weltmeister-Film «Die Mannschaft» präsentiert. Noch sucht Bierhoff nach einem Verleih und einem Lichtspielhaus, vor dem der Rote Teppich ausgerollt werden soll - nur wenige Stunden nach der Auszeichnung der WM-Helden durch Bundespräsident Joachim Gauck mit dem Silbernen Lorbeerblatt im Schloss Bellevue.

Bierhoffs Rolle im engsten Zirkel um Weltmeister-Trainer Joachim Löw ist längst nicht mehr auf die Organisation von Freizeit-Fun und PR-Aktionen limitiert. Das wurde auch vor dem Irland-Spiel deutlich. Im Gegensatz zu Löw fand Bierhoff kritische Worte, die grundsätzliche Probleme im deutschen Fußball berühren. «Im Jahr 2000 haben wir die Ausbildung umgestellt, weniger Kraft, mehr Spaß und Technik und Wendigkeit. Hier haben wir Weltklassespieler wie Götze, Reus, Schürrle, Özil, Kroos. Man hat vielleicht anderes vergessen», sagte Bierhoff nach dem 0:2 in Polen mit so vielen vergebenen Torchancen.

Schon bei der WM hatte Bierhoff auch öffentlich Schieflagen thematisiert - wie nach dem mühevollen 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien im Achtelfinale. «Je weiter man kommt, umso weniger können wir uns erlauben. Wir müssen uns auf jeden Fall noch steigern», mahnte Bierhoff, als ganz Fußball-Deutschland über die richtige Taktik und Position von Kapitän Philipp Lahm in Mittelfeld oder Abwehr diskutierte.

Bierhoff darf sich auch weiter in sportliche Themen einmischen. «Ein ganz klares Nein. Und wir denken auch überhaupt nicht darüber nach», sagte der Ex-Stürmer der «Bild»-Zeitung zur abwegig klingenden Idee, Lahm zu einem Comeback zu überreden.

Schon bevor Löw das definitive Signal gab, als Bundestrainer bis zur EM 2016 weiterzumachen, war für Bierhoff klar, dass sein Engagement beim DFB nicht enden soll. Selbstbewusst proklamierte er seine Aufgabe und Bedeutung. Von den steten Spekulationen, der smarte Siegtorschütze beim EM-Sieg 1996 könnte bei einem Bundesliga-Club als Manager anheuern, ob nun beim Hamburger SV oder gar beim FC Bayern, ist derzeit überhaupt nichts mehr zu hören.

Was einst als Entlastungsjob für Löw-Vorgänger Jürgen Klinsmann angedacht war, hat sich im DFB-Gefüge manifestiert. Bierhoff gehört fix zum inneren Löw-Kreis, könnte aber mittlerweile auch unabhängig vom Bundestrainer beim Verband agieren. Er hat einen festen Sitz im DFB-Präsidium. An Arbeit wird es nicht mangeln. An den Verhandlungen mit Sponsoren ist Bierhoff qua Amt maßgeblich beteiligt. Nach dem WM-Titel will der DFB bei künftigen Abschlüssen mit seinen ausgesuchten Partnern mehr Kasse machen.