Mailänder Modewoche: Powerfrauen und Raffinesse

so sieht Rodolfo Paglialunga im Frühjahr/Sommer 2016 die Jil Sander-Frau. Zu sehen waren seine Entwürfe am Samstagnachmittag anlässlich der bis Montag laufenden Defilees der «Milano Moda Donna».

Paglialunga, der italienische Designer des im Ursprung deutschen Labels, stellte eine vertikal ausgerichtete und dabei oft luftige Silhouette vor: schlichte wadenlange Ledermäntel, Anzüge im Pyjama-Stil, langgezogene Hemden. Raffiniert setzt er seine Akzente: die Schlitze auf der Schulter oder unter der Achsel, die Wickel-, Knot- und Gurtdetails. Mehr und mehr lösen sich die Jacken auf, bis schließlich nur noch eine Art Grundgerüst am Körper übrig bleibt.

Schlüsselelement der auf vielen Lagenoptiken basierenden neuen Kollektion von Cividini ist ein Strick-BH-Top, das über Blusen und Kleidern getragen wird.

Im Stechschritt durch das Leben – das ist hingegen die neue Modebotschaft von Donatella Versace. Die Mailänderin holt sich Anleihen aus dem Militärischen: das Olivgrün, die Jacken mit den aufgesetzten Taschen und den Epauletten, das fleckige Tarnmuster, die Gurte. Daraus kreiert sie Looks für eine moderne, selbstbestimmte Frau: Schnittige Kleider, leger sitzende Hosen, geräumige Jacken. Doch Versace-Mode muss immer auch sexy sein. Es gibt viel Beinfreiheit, Bandeau-Tops statt Blusen, Netzoptiken. Ein Patchwork aus bunt eingefärbten Raubkatzen-Maserungen bringt Pep in die Optik.

Die Inspirationen des Münchner Labels Aigner wiederum kommen aus der Unterwasserwelt. Seesterne und Muscheln werden zu Gürtelschnallen oder Stickerei-Motiven. Fließende Abendkleider simulieren die Bewegung der Wellen. Glänzende und matte Pailletten erinnern an die Meerjungfrau.

Etros Welt ist die Folklore, die Romantik, das Dekorative. Im Frühjahr/Sommer 2016 gibt es von den Italienern fließende weite Hosen, wehende lange Kleider, dazu kurze Blousons und Westen. Die Stickereien und Drucken sind gewohnt kunstvoll, in ihrer Farbpracht aber etwas dezenter als in vergangenen Saisons.

Bei Giamba, der jungen Linie von Giambattista Valli, schließlich paradierten die Models in zarten Kleidchen aus Spitze, Tüll oder Chiffon durch die Zuschauerreihen. Das Make-up wanderte vom Gesicht auf die Mode: die Hand mit den lackierten Fingernägeln, der rote Mund, der Lippenstift – all das taucht als Druckmotiv und Stickerei auf.