HSV sucht Spaß vor Abstiegsfinale

Mit Spaß-Paddeln auf dem Kellersee und einem munteren Luftgewehr-Wettschießen im örtlichen Schützenverein haben sich die HSV-Fußballer im Malente-Trainingslager auf ihr Abstiegs-Finale eingestimmt.

HSV sucht Spaß vor Abstiegsfinale
Markus Scholz HSV sucht Spaß vor Abstiegsfinale

«Es geht hier nicht darum, geheime Dinge einzustudieren. Die Bedingungen passen und wir können uns noch einmal besinnen. Die Geschlossenheit ist das Wichtigste für uns», begründete Trainer Bruno Labbadia die ungewöhnliche Relax-Maßnahme beim Hamburger SV. Doch auf Jux und Dollerei folgt am Samstag gnadenlos der Ernstfall. Klar ist: Der Tabellenvorletzte HSV muss den FC Schalke 04 besiegen und auf Schützenhilfe hoffen, damit der einst große Club das Horror-Szenario des ersten Abstiegs aus der Fußball-Bundesliga noch abwenden kann.

Einzelgespräche geführt, Teamgeist gestärkt, die Köpfe frei gemacht: Labbadia hat alle Register gezogen, damit dem HSV die seit 52 Jahren währende Erstliga-Herrlichkeit erhalten bleibt. Und er muss hoffen, dass das gekenterte Paddelboot mit den Leistungsträgern Pierre-Michel Lasogga, Heiko Westermann, Johan Djourou und Nicolai Müller an Bord nicht symbolisch war und der HSV gegen Schalke nicht auch Schiffbruch erleidet. Immerhin nahm das durchnässte HSV-Quartett das Ungeschick mit Humor - und möchte auch am Samstagabend lachen können.

«Die Leute hoffen alle, dass wir es hinbekommen. Ich bin überzeugt, dass wir es können», betonte der erfahrene Coach, der 2011 schon den VfB Stuttgart vor dem Absturz in die 2. Liga bewahrt hat. Nun läuft er Gefahr, als erster Coach in die Fußball-Geschichte einzugehen, der den HSV nicht in Liga 1 halten konnte. Doch das blendet der 49-Jährige komplett aus: «Mir geht's gut. Und ich beschäftige mich nur damit: Wie können wir Schalke schlagen? Wen stellen wir auf?»

Die elf Auserwählten sind am Samstag ab 15.30 Uhr gefordert, dem Druck standzuhalten und die Voraussetzungen für den Klassenverbleib zu schaffen. Verlassen können sich Ersatzkapitän Djourou & Co. wieder auf ihre Fans: Die Hamburger Arena ist mit 57 000 Besuchern ausverkauft, Sitzplatzkarten werden im Internet von 150 Euro an aufwärts angeboten. Auf die Unterstützung baut Ex-Torjäger Labbadia: «Unser Publikum kann extrem dazu beitragen, dass wir gewinnen.» Aber der Funke müsse wieder vom grünen Rasen auf die Ränge überspringen.

Und das ist das große HSV-Problem. Denn nach einem Zwischenhoch mit sieben Punkten aus drei Partien ohne Niederlage war das 1:2 beim VfB Stuttgart vor einer Woche ein Rückfall in alte Zeiten. Labbadia, den die unnötige Schlappe beim Mitkonkurrenten innerlich fuchsteufelswild machte, blieb aber ruhig und hofft, dass er den Schalter so noch mal umlegen kann: «Wir müssen die Spieler in ihren Fähigkeiten stärken.»

Personelle Konsequenzen muss er dennoch ziehen, denn Kapitän Rafael van der Vaart sitzt eine Gelbsperre ab und Marcell Jansen (Zerrung) fällt verletzungsbedingt aus. Petr Jiracek, Lewis Holtby und Marcelo Diaz sind Kandidaten für die Startelf. «Da haben wir noch keine Entscheidung getroffen», berichtete Labbadia am Freitag vor der Rückreise aus der ostholsteinischen Idylle in das raue Elbe-Klima.

Es könnte dem HSV in die Karten spielen, dass es auf Schalke zuletzt krachte (Boateng und Sam wurden suspendiert), und die Saison nach der vorzeitig gesicherten Europa-League-Teilnahme praktisch gelaufen ist. Doch davon will Labbadia nichts wissen. Er erwartet motivierte Schalker, deren Torjäger Klaas-Jan Huntelaar ein Schreckgespenst für den HSV darstellt. Denn der Niederländer hat in acht Spielen gegen die Hamburger zehn Tore geschossen. «Er lebt von den Zuspielen. Die müssen wir verhindern», forderte Labbadia.

Nach dem Malente-Besuch von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz («Ich habe ein Team erlebt, das den Willen hat zu gewinnen») erhielten die HSVer auch noch moralische Unterstützung vom Hamburger Sportsenator und BVB-Fan Michael Neumann: «Als gebürtiger Dortmunder drücke ich dem HSV gegen Schalke natürlich doppelt die Daumen».