Masern: EU-Kommission warnt vor internationaler Ausbreitung

Nach dem Masern-Ausbruch in Berlin hat die EU-Kommission vor einer Ausbreitung der Krankheit in weitere Ländern gewarnt. Das berichtet die «Welt» (Mittwoch).

Masern gehörten zu den Krankheiten, die sich leicht über die Grenzen hinaus ausbreiten könnten und die leicht übertragen würden, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis der Zeitung. Er befürworte Impfungen «als eine zentrale vorbeugende Maßnahme». Der EU-Kommissar aus Litauen soll sich auch für eine engere Zusammenarbeit der EU-Länder bei Impfungen ausgesprochen haben.

In Berlin hat das Uniklinikum Charité am Dienstag den Masern-Tod eines Kleinkindes bestätigt. «Bei dem Kind lag eine Erkrankung vor, die ohne die Masern-Infektion nicht zum Tode geführt hätte», teilte die Klinik mit. Der Fall und eine Masern-Welle in Berlin mit bislang mehr als 570 Erkrankten hatten eine Debatte um die Impfpflicht ausgelöst.

Auch am Dienstag sprachen sich Politiker dafür aus: Der Schutz sei «in Abwägung zur Erkrankung mit möglichen Folgeschäden das klar bessere und risikoärmere Mittel», sagte der Neuköllner Stadtrat für Gesundheit, Falko Liecke, laut einer Mitteilung. In dem Bezirk wurden bisher mehr als 100 Fälle gemeldet.

Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) schließt die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für Kinder nicht mehr grundsätzlich aus - aber nur als allerletztes Mittel. «Klar ist: Das würde einen erheblichen Eingriff in das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und in das Sorgerecht der Eltern bedeuten», sagte Huml am Dienstag dem «Münchner Merkur».

Beratungsangebote sind nach Einschätzung der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) geeignete Mittel gegen eine Masern-Welle. In Rheinland-Pfalz seien Informationen über Impfungen fester Bestandteil der Früherkennungsuntersuchung bei Kindern, sagte sie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. «Das ist ausschlaggebend für eine gute Impfquote». Eine Impfpflicht sehe sie hingegen immer noch skeptisch.

Der Heilpraktiker-Landesverband Baden-Württemberg fordert ein unabhängiges Experten-Gremium, das Nutzen und Schaden von Schutzimpfungen untersuchen soll. Zwar gebe es keinen generellen Zweifel am Impfschutz. «Die Frage aber ist, ob immer jede Art von Impfung oder jede Mehrfachimpfung sinnvoll ist», sagte der Vorsitzende Dietmar Falkenberg am Dienstag in Baden-Baden. «Wir betrachten die derzeitige Diskussion mit Skepsis statt mit Wohlwollen.»

Der Leipziger Mediziner und Impfexperte Michael Borte sprach sich dagegen für eine Impfpflicht aus. In Sachsen sind nach den neuesten Angaben 36 Menschen an Masern erkrankt. Ein Kleinkind wird im Krankenhaus behandelt. In Sachsen handle es sich um den ersten großen Ausbruch der Krankheit seit 1990, sagte Borte, der Chefarzt der Kinderklinik am Leipziger Klinikum St. Georg ist.

In Berlin macht sich die Masern-Welle auch an Kliniken bemerkbar: In den Häusern des Konzern Vivantes etwa seien vor allem Menschen zwischen 20 und 45 Jahren stationär aufgenommen worden, sagte der Mediziner und Pandemiebeauftragter der Kliniken, Christian Träder. Wegen der Auslastung durch die Grippewelle habe man aber nicht alle Patienten annehmen können. «Im Normalfall stehen Erwachsene die Masern auch zu Hause durch.»

Träder berichtete auch von Fällen, in denen Berliner die Masern aus der Ukraine mitgebracht hätten. Reisen und Migration sieht er neben Impflücken in der Bevölkerung als wesentliche Faktoren für den Ausbruch.

Die am Montag wegen Masern geschlossene Schule in Berlin-Lichtenrade hat den Unterricht am Dienstag wieder normal aufgenommen. Auslöser der vorsorglichen Schließung war ein an Masern erkrankter Jugendlicher. Das Gesundheitsamt habe inzwischen die Impfbücher von Mitschülern und Lehrern überprüft, sagte die Bezirksstadträtin für Gesundheit. Vom Unterricht ausgeschlossen worden seien fünf Schüler, die keinen ausreichenden Impfschutz nachweisen konnten. Sie müssen dies nun nachholen.