Massenprotest in Bangkok - Regierungsgegner besetzen Ministerien

Drei Jahre nach den blutigen politischen Unruhen in Bangkok haben neue Massenproteste die thailändische Hauptstadt teilweise lahmgelegt. 

Massenprotest in Bangkok - Regierungsgegner besetzen Ministerien
Narong Sangnak Massenprotest in Bangkok - Regierungsgegner besetzen Ministerien

Protestanführer Suthep Thaugsuban, bis vor kurzem Abgeordneter der Opposition, drang am Montag trotz massiver Polizeipräsenz mit Hunderten Anhängern in das Finanzministerium ein und besetzte einen Teil des Gebäudes. Weitere Demonstranten seines Lagers zogen zum Gelände des Außenministeriums, blieben aber nach Angaben von Mitarbeitern draußen vor der Tür. Mit ihren Aktionen wollten sie Beamte zu zivilem Ungehorsam animieren.

Im beliebten Urlaubsland Thailand beschränkten sich die Massenproteste zunächst auf die Hauptstadt Bangkok. «Brüder und Schwestern, kommt und übernachtet im Ministerium, um unsere Steuergelder zu bewachen», schrieb Suthep auf Facebook. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption vor und verlangen deren Rücktritt. Regierungschefin Yingluck Shinawatra sagte nach einer Kabinettssitzung, ihre Regierung bleibe im Amt.

Am Sonntag hatte die Opposition 100 000 Menschen auf die Straße gebracht. Es waren die größten Straßenproteste seit 2010. Damals waren bei Ausschreitungen 92 Menschen ums Leben gekommen.

Schlüsselfigur in dem Machtkonflikt ist der 2006 gestürzte Regierungschef Thaksin Shinawatra, der im Ausland im Exil lebt.
Seine Anhänger tragen rote T-Shirts («Rothemden»). Dazu gehören weite Teile der ländlichen Bevölkerung, die Thaksin mit populistischen Maßnahmen für sich gewann. Thaksin und ihm nahestehende Regierungen haben seit zehn Jahren alle Wahlen gewonnen. Zur Zeit regiert seine Schwester Yingluck, die Rothemden sind also heute Regierungsanhänger. Bei den blutigen Demonstrationen 2010 waren sie Regierungsgegner, weil damals die Opposition nach Machtspielen in Parlament vorübergehend regierte.

Die Thaksin-Gegner demonstrierten früher in gelben Hemden. Die Bewegung hat sich aufgelöst. Die heutigen Regierungsgegner schmücken sich mit Halsbändern in den Farben der thailändischen Flagge: blau, weiß und rot. Sie sind Anhänger der alten Ordnung. Eine vor allem in Bangkok mächtige Elite bestimmte vor Thaksin über Jahrzehnte die Geschicke des Landes.

Tausende Regierungsgegner marschierten am Montag mit Trillerpfeifen auf 13 staatliche Einrichtungen wie Ministerien, Staatssender und der Armeezentrale. Sie wollten ihre Proteste auch am Dienstag fortsetzen. Die Behörden warnten, dass den Demonstranten wegen der Besetzung des Ministeriums bis zu acht Jahren Haft drohe.

Bei den Protesten wurde ein deutscher Fotograf aus München
nach eigenen Angaben von einer Menschenmenge verprügelt, die ihm vorwarf, zu den «Rothemden» zu gehören. Der 45-Jährige flüchtete
sich in ein Polizeirevier.