Massenproteste gegen Präsidentin Rousseff in Brasilien

Die Lage für Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wird wegen eines Korruptionsskandals immer brenzliger. Mehrere hunderttausend Menschen demonstrierten am Sonntag für eine Amtsenthebung der bis Ende 2018 gewählten Präsidenten.

Massenproteste gegen Präsidentin Rousseff in Brasilien
Paulo Fonseca Massenproteste gegen Präsidentin Rousseff in Brasilien

Darunter waren nach Angaben der Zeitung «Folha S. Paulo» 100 000 in Brasília und laut Organisatoren bis zu 200 000 in Rio de Janeiro, in São Paulo wurden über 100 000 Teilnehmer erwartet. Ihr wichtigster Koalitionspartner, die Partei PMDB, droht derweil mit einem Ausscheiden aus der Regierung; damit könnte die Politikerin der linken Arbeiterpartei im Kongress kaum noch etwas durchsetzen.

Proteste waren in bis zu 350 Städten angekündigt. «Fora Dilma» - «Dilma raus», skandierten sie. Das Land ist in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise, hinzu komt ein großer Korruptionsskandal. Die Zustimmung zu Rousseff liegt nur noch bei rund zehn Prozent.

Bei einem Parteitag der Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB) votierten die Delegierten dafür, dass die Parteiführung um den Vizepräsidenten und wiedergewählten Parteichef Michel Temer innerhalb von 30 Tagen eine endgültige Entscheidung über den Koalitionsbruch treffen soll.

Nach Bekanntwerden neuer Details im Skandal um Schmiergeldzahlungen an Politiker bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras ist Rousseff massiv unter Druck. Ihrem Amtsvorgänger und Förderer Luiz Inácio Lula da Silva droht eine Anklage. Rousseff hat zudem mit mehreren Krisen zugleich zu kämpfen: Die Wirtschaftsleistung ist eingebrochen, die Arbeitslosenzahl liegt bei über 9 Millionen. Zudem wirft die Opposition der 68-Jährigen vor, von dem großen Korruptionsnetz gewusst zu haben, was sie aber bestreitet.