Maximaler Terroralarm in Brüssel

Eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris hat Belgien am Wochenende die Hauptstadt Brüssel wegen möglicher schwerer Attentate in höchste Alarmbereitschaft gesetzt.

Zwei Terroristen sollen sich dort aufhalten, darunter der seit einer Woche gesuchte Salah Abdeslam. Auf internationaler Ebene soll der Kampf gegen die Terrormiliz IS verstärkt werden. Dazu treffen sich in den nächsten Tagen führende Staats- und Regierungschefs. In Deutschland ist die Gefahrenlage nach wie vor ernst.

Nach Angaben von Belgiens Premierminister Charles Michel gab es konkrete Hinweise auf ein geplantes Attentat von Terroristen in Brüssel ähnlich den Anschlägen in Frankreich. Wegen der Informationen über «eine ernste und unmittelbare Bedrohung» habe man in der Nacht zum Samstag die Terrorwarnstufe für Brüssel auf das höchste Niveau 4 angehoben.

U-Bahnen wurdne gesperrt und sollten mindestens bis Montag früh stillstehen. An Bahnhöfen wurden Passagiere verstärkt kontrolliert, Soldaten patrouillierten. Geschäfte und das Atomium, Wahrzeichen der Stadt, schlossen. Ein Musikfestival wurde ebenso abgesagt wie zahlreiche Fußballspiele, darunter ein Erstligaspiel.

Wie lange dieser Zustand anhält, war zunächst unklar. Am Abend sollte darüber entschieden werden. In Deutschland habe die Brüsseler Terrorwarnung keine Auswirkungen für die Bedrohungslage, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Der Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek, Bernard Clerfayt, sagte im belgischen Rundfunk RTBF: «Wir haben erfahren, dass sich zwei Terroristen auf Brüsseler Territorium befinden und gefährliche Taten verüben könnten.» Innenminister Jan Jambon sprach von «mehreren Verdächtigen». Einer davon könnte Salah Abdeslam sein. Er ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, wohnte im Brüsseler Stadtteil Molenbeek und soll an den Anschlägen in Paris mit 130 Toten und Hunderten Verletzten beteiligt gewesen sein.

Der UN-Sicherheitsrat forderte alle Mitglieder der Vereinten Nationen auf, den Kampf gegen den «Islamischen Staat» (IS) zu verstärken. Auf deren Konto gehen die Angriffe vom 13. November in Paris. In einer am Freitagabend in New York einstimmig beschlossenen Resolution heißt es, «alle Staaten, die die Möglichkeiten dazu haben, sollen in Übereinstimmung mit den Völker- und den Menschenrechten ihre Maßnahmen verstärken und koordinieren, um Terrorakte des IS zu unterbinden». Sie sollten die Finanzströme der Terrormiliz blockieren und ausländische Islamisten nicht nach Syrien gelangen lassen.

Frankreich hatte den Entwurf eingebracht. Staatspräsident François Hollande will in der kommenden Woche mit einer Serie von Gesprächen eine Allianz gegen den IS voranbringen: am Montag mit dem britischen Premierminister David Cameron in Paris, Dienstag mit US-Präsident Barack Obama in Washington, Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder in Paris und am Donnerstag in Moskau mit Kremlchef Wladimir Putin.

Nach der Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland - Niederlande wegen eines befürchteten Anschlags suchen die deutschen Sicherheitsbehörden weiter nach einer möglichen Terrorgruppe. Ob wirklich Gefahr bestand, war auch am Sonntag aber noch unklar. Weitere Ermittlungen müssten ergeben, ob es wirklich eine Gruppe gibt, die bei der Partie am vergangenen Dienstag in Hannover einen Anschlag plante, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtete, ein «minutiös geplanter Terrorangriff» sei nur kurzfristig durch die Absage des Spiels gescheitert. Der französische Geheimdienst habe dem deutschen Verfassungsschutz mitgeteilt, dass eine Terroristengruppe fünf Bomben zünden wolle - drei davon im Stadion, eine an einer Bushaltestelle und eine an einem Bahnhof.

Der 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga verlief am Samstag und Freitag friedlich und ohne größere Zwischenfälle.