Mayweather stellt Rekord ein und spricht von Abschied

Mit der Einstellung des Weltrekords hat sich Weltmeister Floyd Mayweather aus dem Boxring verabschiedet - zumindest vorläufig.

Der 38 Jahre alte Amerikaner setzte sich vor 13 395 Zuschauern in einem einseitigen Weltergewichts-Duell in der Arena des MGM Grand Garden von Las Vegas gegen seinen Landsmann Andre Berto nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten durch. Mayweather verteidigte somit seine Weltmeisterschafts-Gürtel nach WBC- und WBA-Version. 49 Siege ohne Unterbrechung - das hatte vor Mayweather nur der legendäre Rocky Marciano geschafft. Der Schwergewichtsboxer war zwischen 1947 und 1955 in allen seinen Kämpfen unbesiegt geblieben.

«Es ist offiziell, meine Karriere ist vorbei. Man sollte wissen, wenn man aufhört. Jetzt möchte ich Zeit mit meiner Familie verbringen», sagte Mayweather noch im Ring. Experten bezweifeln jedoch, dass der extrovertierte Weltmeister tatsächlich für immer seine Handschuhe ausgezogen hat. TV-Stationen und Sponsoren werden ihn vermutlich mit Unsummen an Dollar überreden, den Weltrekord von 50 Siegen aufzustellen. Der «Moneymaker» wird in Gedanken wohl schon das Geld zählen.

Im Gegensatz zum enttäuschenden Auftritt im gehypten «Kampf des Jahrhunderts» gegen den Filipino Manny Pacquiao Anfang May verhielt sich Mayweather diesmal nicht zurückhaltend und war auf seine Verteidigung fokussiert, sondern begann entschlossen und offensiv. Vor allem mit seinem linken Haken kam er immer wieder zu Bertos Kopf durch. «Ich habe ihn zum Limit getrieben, aber er war einfach besser», resümierte der letztlich chancenlose Herausforderer. Für Berto war es im 34. Kampf die vierte Niederlage.

In den Schlussrunden war Mayweather so überlegen, dass er anfing, seinen Gegenüber zu verspotten. Bereits kurz vor Kampfende lief der Titelverteidiger eine Siegerrunde im Seilquadrat und kniete anschließend nieder. «Ich bin fast 40 Jahre alt, es gibt nichts mehr, das ich im Boxen noch beweisen muss. Ich habe alles erreicht, alles in meinem Sport getan», tönte Mayweather. Für seinen 36-Minuten-Auftritt strich er mindestens 32 Millionen Dollar ein.

Im Vorfeld hatte es Dopinganschuldigungen gegen Mayweather gegeben. Am Vorabend des Pacqiuao-Kampfes hatte er sich wegen angeblicher Dehydrierung Kochsalzlösung und Vitamine intravenös spritzen lassen. Laut Regelwerk der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sind derartige Injektionen nur in Ausnahmefällen und nur in einer Menge von 50 Millilitern innerhalb von sechs Stunden erlaubt.

Mayweather hingegen wurden innerhalb kürzester Zeit 750 Milliliter verabreicht. «Das Problem ist, dass die Menge, die da injiziert wurde, gegen die WADA-Regeln verstößt. Denn man kann zum Beispiel mit so viel Flüssigkeit die Nutzung von verbotenen Mitteln verbergen», sagt ESPN-Box-Experte Dan Rafael.

Laut einem Bericht des Online-Portals «SN Nation» ging ein Gesuch Mayweathers zur Genehmigung der Spritzen erst am 19. Mai bei der USADA ein – zweieinhalb Wochen nach dem Kampf. Dem wurde am 20. Mai stattgegeben. «Dass ist sehr beunruhigend, denn zum einen haben wir Mayweather, der den Sport nach eigenen Angaben säubern will», betont Rafael. «Und dann gibt's die USADA, die sich als Vorkämpfer in Sachen Doping bezeichnet, anscheinend aber bei besonderen Athleten Dinge durchgehen lässt, die bei anderen Sportlern vielleicht undenkbar wären.» Mayweather stritt jegliche Dopingvorwürfe ab.