Medaillensammlerin Dahlmeier: Fünf Starts, fünf Medaillen

Laura Dahlmeier hat in Oslo die Bilanz der deutschen Biathleten fast im Alleingang gerettet und war nach ihrem fünften Medaillen-Coup von sich selbst überrascht.

Medaillensammlerin Dahlmeier: Fünf Starts, fünf Medaillen
Hendrik Schmidt Medaillensammlerin Dahlmeier: Fünf Starts, fünf Medaillen

«Mir fehlen die Worte. Dass ich bei jedem Start eine Medaille hole, damit habe ich nicht gerechnet. Das ist phänomenal und wirklich ein ganz, ganz großer Traum», sagte die 22-Jährige nach ihrem finalen Kraftakt mit WM-Silber im Massenstart. Damit räumte die Garmisch-Partenkirchnerin als erste Deutsche seit Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner 2011 und erst zweite Deutsche überhaupt fünf Medaillen bei einer WM ab. Zuvor hatte sie Gold in der Verfolgung, Bronze im Sprint, Einzel und der Staffel geholt.

Ohne die Ausbeute der bayerischen Frohnatur hätte es für die deutschen Biathletinnen am legendären Holmenkollen nicht ganz so glänzend ausgesehen. Mit erst 22 Jahren avancierte Dahlmeier zu einer der prägenden Figuren der Welttitelkämpfe und sorgte fast im Alleingang für das beste deutsche Teamergebnis seit 2007, als es sieben Medaillen gegeben hatte. Vor allem dank ihr übererfüllten die Schützlinge von Bundestrainer Gerald Hönig einen Tag nach Staffel-Silber der Männer ihr Ziel von einer Einzel- und Staffelmedaille deutlich. «Ich bin unheimlich stolz, diese Mannschaft trainieren zu dürfen. Insgesamt war es eine tolle WM», meinte Hönig.

«Einfach großartig! Besser geht nicht!», schwärmte Neuner über die Erfolgsserie ihrer nun wohl legitimen Nachfolgerin. Hönig erwartet in Zukunft noch viel mehr von seiner Ausnahme-Könnerin: «Sie kann die Szenerie beherrschen. Was sie hier mit 22 Jahren abgeliefert hat, ist gigantisch. Ihre Konstanz ist beeindruckend.»

«Olympiasiegerin - oder Hüttenwirtin», schon als Siebenjährige hat Dahlmeier ihre Ziele für die Zukunft in ein Freundebuch geschrieben. 2018 kann sie sich ihren Traum erfüllen. «Olympia-Gold wird ihr Ziel sein. Und wenn sie gesund und verletzungsfrei bleibt, wird sie dieses Ziel sehr konsequent verfolgen, so wie sie bisher alles gemacht hat», sagte Hönig. An die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea verschwendete Dahlmeier aber noch keinen Gedanken: «Pyenongchang ist weit weg. Ich hoffe, dass ich die nächsten zwölf Stunden überlebe.»

Mit Dahlmeier haben die deutschen Damen wieder eine absolute Weltklasse-Athletin in ihren Reihen. Sie vereint die Komplexität einer Biathletin wie kaum eine andere: Sie ist eine der weltbesten Schützinnen und zudem extrem laufstark. Wäre sie nicht in diesem Winter mehrfach wegen Erkältungen ausgefallen, hätte sie wohl auch im Kampf um den Gesamtweltcup ernsthaft mitreden können - mit gerade mal 22 Jahren. Zudem hat sie eines ihrer früheren Trainingskollegin Neuner voraus: Eine WM-Medaille im Einzel über 15 Kilometer.

Während Dahlmeier ihre Träume mehr als erfüllte, gingen die Hoffnungen von der ebenfalls als Medaillenkandidatin gehandelten Franziska Hildebrand in den Einzelrennen nicht auf. Überhaupt nicht klar kam Vanessa Hinz, Miriam Gössner wurde gar nicht erst für die Rennen nominiert. Franziska Preuß war nach ihrer langen Verletzungspause zu Jahresbeginn auch nicht ganz in läuferischer Top-Form, zeigte aber ihr großes Potenzial.

Im abschließenden Massenstart wurde Preuß, im Vorjahr WM-Zweite, gute Achte, die zweimalige Saisonsiegerin Hildebrand wurde 14. «Sie wird mit der WM nicht ganz zufrieden sein», gab Hönig zu.