Mehdorn fordert weiteres Terminal am Hauptstadtflughafen

Mit Warnungen vor einem Fehlstart des neuen Hauptstadtflughafens drängt Geschäftsführer Hartmut Mehdorn den Aufsichtsrat zu weiteren Investitionen.

«Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist», warnt Mehdorn in seiner Präsentation für das Kontrollgremium. Er will erreichen, dass die Aufseher unter anderem ein zweites, kleineres Terminal genehmigen.

Nach erneuten Querelen zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung hält der Bund vorerst an Mehdorn fest. Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) sagte in Motzen: «Herr Mehdorn ist unser Vorsitzender (der Geschäftsführung) und er genießt unser Vertrauen, bis irgendetwas anderes entschieden wird. Und das steht momentan nicht an.» Der Bund ist neben Berlin und Brandenburg Eigentümer der Flughafengesellschaft.

Mehdorn wehrt sich derzeit heftig gegen eine externe Kontrolle seiner Arbeit, die der Aufsichtsrat veranlasst hat. Der 72-Jährige spricht von «Inquisition» und «Misstrauenskultur rund um den BER», so das Kürzel für den neuen Flughafen.

Bei der Aufsichtsratssitzung geht es um den Fortschritt auf der Baustelle, die Kosten, mögliche Kapazitätserweiterungen und einen Standort für den künftigen Regierungsterminal. «Wir wollen den Flughafen fertig bauen», bekräftigte Bomba.

Mehdorn hat angekündigt, ein «Terminband» für eine mögliche Eröffnung zu nennen. Ein konkretes Datum lässt nach vier geplatzten Terminen weiter auf sich warten. «Zur Jahresmitte 2015 wollen wir die Unwägbarkeiten so weit abgearbeitet haben, dass wir einen konkreten Eröffnungstermin nennen können», hofft Mehdorn laut einem internen Rundschreiben. Ein Start vor 2017 gilt als unwahrscheinlich.

Bis zur Eröffnung sieht Mehdorn noch viel Nachholbedarf: «Es reicht nicht, den BER wie konzipiert fertig zu bauen.» Gepäckausgabe und Sicherheitskontrollen seien zu klein, es fehlten Check-in-Schalter, Flugzeugpositionen und Parkhäuser, heißt es der Aufsichtsratspräsentation, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mehdorn fordert Interimslösungen und einen Masterplan für einen dauerhaften Ausbau des Flughafens.

Mehdorn will den Aufsichtsrat zunächst davon überzeugen, am Nordflügel des Neubaus ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere zu bauen. Für Planung, Ausschreibung und Bau veranschlagt der Flughafenchef zweieinhalb bis drei Jahre. Das Terminal soll 80 Millionen Euro kosten, mit neuen Vorfeldpositionen, Parkplätzen und anderen Investitionen würden insgesamt 177 Millionen Euro fällig.

Eine Lösung gib es nach der Vorlage für den Regierungsflughafen, der auf dem Schönefelder Airport-Areal entstehen soll. Bis zu zur Fertigstellung wollte der Bund eigentlich das alte Schönefelder Terminal als Protokollbereich nutzen, weicht nun aber für die Bauzeit auf einen Interimsbau aus, der nebenan entstehen soll, wie Mehdorn erklärt. Das gibt ihm die Möglichkeit, im alten Schönefelder Terminal weiter Passagiere abzufertigen, bis der neue Hauptstadtflughafen erweitert ist.

Der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere geplant; in diesem Jahr werden es in Schönefeld und Tegel insgesamt aber schon 28 Millionen sein. Die Betreiber gehen davon aus, dass das Wachstum anhält. Schon bei einer Eröffnung 2016 würde Platz für gut 37 Millionen Passagiere gebraucht, erläutert Mehdorn. Eingerechnet ist für das erste Jahr ein Puffer von 25 Prozent.

Ein Flughafen-Gutachten geht von mehr als 31 Millionen Passagieren im übernächsten Jahr aus. Mehdorn will deshalb vom nächsten Jahr an einen Masterplan erarbeiten lassen, wie der Flughafen nach der Eröffnung ausgebaut wird. Der Planfeststellungsbeschluss erlaubt bis zu 45 Millionen Passagiere im Jahr. Diese Nachfrage wird nach der Prognose des Flughafens 2030 erreicht.