Mehdorn: Hauptstadtflughafen vor Eröffnung erweitern

Der neue Hauptstadtflughafen muss aus Sicht des Geschäftsführers Hartmut Mehdorn schon vor der Eröffnung erweitert werden.

«Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist», warnt Mehdorn in seiner Präsentation für das Kontrollgremium, das am Freitag in Motzen zusammentraf. Er will erreichen, dass die Aufseher unter anderem ein zweites, kleineres Terminal genehmigen.

Bis zur Eröffnung sieht Mehdorn noch viel Nachholbedarf: «Es reicht nicht, den BER wie konzipiert fertig zu bauen.» Gepäckausgabe und Sicherheitskontrollen seien zu klein, es fehlten Check-in-Schalter, Flugzeugpositionen und Parkhäuser, heißt es in der Aufsichtsratspräsentation, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mehdorn fordert Interimslösungen und einen Masterplan für einen dauerhaften Ausbau des Flughafens.

Nach erneuten Querelen zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung hält der Bund vorerst an Mehdorn fest. Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) sagte in Motzen: «Herr Mehdorn ist unser Vorsitzender (der Geschäftsführung) und er genießt unser Vertrauen, bis irgendetwas anderes entschieden wird. Und das steht momentan nicht an.» Der Bund ist neben Berlin und Brandenburg Eigentümer der Flughafengesellschaft.

Mehdorn wehrt sich derzeit heftig gegen eine externe Kontrolle seiner Arbeit, die der Aufsichtsrat veranlasst hat. Der 72-Jährige spricht von «Inquisition» und «Misstrauenskultur rund um den BER», so das Kürzel für den neuen Flughafen.

Einen Rückschlag musste er am Freitag bei seinem Vorhaben wegstecken, in Schönefeld eine Start- und Landebahn zu sanieren, die der neue Airport vom benachbarten Flughafen Schönefeld übernimmt. Weil Schallschutzauflagen nicht vollständig erfüllt sind, verschob die Obere Luftfahrtbehörde den geplanten Start von Ende März auf Anfang Mai 2015.

Das erhöht den Zeitdruck, denn die bisher mit 50 bis 60 Millionen Euro und sechs Monaten Bauzeit veranschlagten Arbeiten sollen im Herbst abgeschlossen sein. Mehdorn hat schon vor Mehrkosten gewarnt, wenn er nicht im März beginnen kann.

Die Behörde beharrt zudem auf ein Nachtflugverbot, das es am alten Flughafen Schönefeld nicht gibt. Während der Bahnsanierung starten die Maschinen aber von einer neu angelegten Rollbahn des Hauptstadtflughafens, für die ein Verbot vorgesehen ist.

Bei der Aufsichtsratssitzung geht es um den Fortschritt auf der Baustelle, die Kosten, mögliche Kapazitätserweiterungen und einen Standort für den künftigen Regierungsterminal. «Wir wollen den Flughafen fertig bauen», bekräftigte Bomba.

Mehdorn hat angekündigt, ein «Terminband» für eine mögliche Eröffnung zu nennen. Ein konkretes Datum lässt nach vier geplatzten Terminen weiter auf sich warten. «Zur Jahresmitte 2015 wollen wir die Unwägbarkeiten so weit abgearbeitet haben, dass wir einen konkreten Eröffnungstermin nennen können», hofft Mehdorn laut einem internen Rundschreiben. Ein Start vor 2017 gilt als unwahrscheinlich.

Mehdorn will den Aufsichtsrat zunächst davon überzeugen, am Nordflügel des Neubaus ein weiteres, weitgehend eigenständiges Terminal für acht bis zehn Millionen Passagiere zu bauen. Für Planung, Ausschreibung und Bau veranschlagt der Flughafenchef zweieinhalb bis drei Jahre. Das Terminal soll 80 Millionen Euro kosten, mit neuen Vorfeldpositionen, Parkplätzen und anderen Investitionen würden insgesamt 177 Millionen Euro fällig.

Eine Lösung gib es nach der Vorlage für den Regierungsflughafen, der auf dem Schönefelder Airport-Areal entstehen soll. Der Bund wollte bis zur Fertigstellung eigentlich das alte Schönefelder Terminal als Protokollbereich nutzen, weicht nun aber für die Bauzeit auf einen Interimsbau aus, der nebenan entstehen soll, wie Mehdorn erklärt. Das gibt ihm die Möglichkeit, im alten Schönefelder Terminal weiter Passagiere abzufertigen, bis der neue Hauptstadtflughafen erweitert ist.

Der neue Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere geplant; in diesem Jahr werden es in Schönefeld und Tegel insgesamt aber schon 28 Millionen sein. Die Betreiber gehen davon aus, dass das Wachstum anhält. Schon bei einer Eröffnung 2016 würde Platz für gut 37 Millionen Passagiere gebraucht, erläutert Mehdorn. Eingerechnet ist für das erste Jahr ein Puffer von 25 Prozent.