Mehr Tore dank Freistoßspray - «Schiri, bitte sprühen»

Erst belächelt, nun geschätzt. In der Fußball-Bundesliga wächst die Zahl der Befürworter des Freistoßsprays. Seit der Einführung des Hilfsmittels Mitte Oktober hat sich die Anzahl der Freistoßtore erhöht. Nicht zuletzt deshalb legten selbst die Profis ihre anfängliche Skepsis ab.

Mehr Tore dank Freistoßspray - «Schiri, bitte sprühen»
Arne Dedert Mehr Tore dank Freistoßspray - «Schiri, bitte sprühen»

«Die Spieler fragen sogar schon danach. Die Schützen kommen vor dem Freistoß und sagen: Schiri, bitte sprühen», beschrieb Referee Felix Brych in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» seine bisherigen Erfahrungen. Dabei hatten sich die Kritiker nach der WM im Sommer noch bestätigt gefühlt. Denn beim Turnier in Brasilien waren trotz des erstmaligen Spray-Einsatzes weniger Tore nach direkten Freistößen gefallen als 2010 in Südafrika.

Doch in der Bundesliga ist der Trend ein anderer. Bereits 17 Mal beförderten die Kunstschützen der Clubs wie der Leverkusener Hakan Calhanoglu den ruhenden Ball an den letzten zehn Hinrunden-Spieltagen in die Maschen. Im vergleichbaren Zeitraum der vergangenen Jahre gelang das seltener: Zwölf Freistoßtore fielen 2013/14, gar nur neun waren es 2012/13.

Mit dem Spray markieren die Schiedsrichter bei Freistößen in Strafraumnähe die genaue Lage des Balles und den exakten Abstand der gegnerischen Abwehrspieler. Es kam in Deutschland zum ersten Mal am 17. Oktober bei der Zweitliga-Partie des VfL Bochum gegen Darmstadt 98 (1:1) zum Einsatz.

«Es sieht so aus, als habe sich das Spray bewährt. Die Lage des Balles, der Abstand zur Mauer - alles ist verlässlich», befand Sejad Salihovic. Zudem trägt der Schaum nach Einschätzung des Hoffenheimer Freistoßspezialisten zur Beruhigung der Gemüter bei. Angenehmer Nebeneffekt: Gelbe Karten werden seltener. Salihovic: «Die Spieler in der Mauer machen den vorher fast normalen Schritt nach vorne nicht mehr, weil der weiße Balken als Hemmschwelle dient. Für den Schützen ist das natürlich von Vorteil.»

Auch die Zuschauer wissen es zu schätzen, dass ihnen lange Diskussionen über den Ausführungsort des Freistoßes oder Verzögerungen durch sich nach vorne schiebende Abwehrmauern erspart bleiben. Vorbei sind die Zeiten, als die Sprühaktion der Schiedsrichter von den Tribünen mit hämischem Gejohle bedacht wurde. «Ich war ja auch skeptisch und habe gedacht. Warum brauchen wir das? Aber jetzt muss man sagen, es hat sich bewährt», kommentierte Referee Brych.

Auch die Aufregung um einen TÜV-Bericht Mitte September, nach dem das bei der WM eingesetzte und in Argentinien hergestellte Spray «in seiner derzeitigen Form in Deutschland und der EU nicht verkehrsfähig» sei, hat sich inzwischen gelegt. Die Tester hatten unter anderem den zu hohen Treibgasanteil und das Fehlen des für hochentzündliche Produkte zwingend vorgeschriebene Flammensymbol bemängelt.

Spray von gestern: In Zukunft kommen die Dosen aus dem Münsterland. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) benannte den Sportpflegemittel-Hersteller Sport Lavit als neuen Lieferanten. Das Unternehmen garantiert beim Produkt «Ref Foam» die Einhaltung der erforderlichen Standards. Und erleichtert den Schiedsrichtern die Arbeit. «Im Gegensatz zu den bisherigen Sprays können die Schiedsrichter «Ref Foam» in Hüfthöhe anwenden und behalten so stets die Übersicht über das Geschehen auf dem Platz», sagte der frühere FIFA-Schiedsrichter Urs Meier den «Ruhr Nachrichten».