Mehrere Tote bei Selbstmordattentat in Wolgograd

Bei einem Selbstmordanschlag in der russischen Stadt Wolgograd hat eine Islamistin in einem Bus einen Sprengsatz gezündet und mindestens sechs Menschen mit in den Tod gerissen. Ermittler sprachen von einem Terroranschlag.

Medien im früheren Stalingrad meldeten bis zu zehn Tote. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, wie die Ermittlungsbehörde mitteilte.

Kremlchef Wladimir Putin sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. Der Präsident werde über die Entwicklungen laufend informiert, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow.

Der Sprecher des nationalen Ermittlungskomitees, Wladimir Markin, sagte im Staatsfernsehen, die Tat sei nach ersten Erkenntnissen von der Frau eines islamistischen Terroristen und Bandenführers begangen worden. Die 30-Jährige stamme aus der russischen Teilrepublik Dagestan im Konfliktgebiet Nordkaukasus. Dort kämpfen Islamisten - wie auch im benachbarten früheren Kriegsgebiet Tschetschenien - für ein von Moskau unabhängiges Kaukasusemirat.

Die Täterin sei anhand von Dokumenten identifiziert worden, sagte Markin. Medienberichten zufolge sind die Frau und ihr Mann zum Islam konvertierte Russen.

Es war der erste Terroranschlag im russischen Kerngebiet außerhalb des Nordkaukasus seit mehr als zweieinhalb Jahren. Damals waren bei einem Selbstmordattentat auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo 38 Menschen getötet worden.

In dem Wolgograder Bus explodierte Medien zufolge eine Handgranate. Eine weitere Granate sei nicht gezündet und später entschärft worden, berichtete die Zeitung «Komsomolskaja Prawda». Durch die Druckwelle waren in dem Bus die Scheiben geplatzt. Mehrere Schwerverletzte sollten in Spezialkliniken nach Moskau geflogen werden. Die Verwaltung der Millionenstadt an der Wolga rief eine dreitägige Trauer aus.

Der Terroristenchef im Nordkaukasus, Doku Umarow, hatte Anfang Juli nach eineinhalbjähriger Pause zu neuen Anschlägen gegen Zivilisten aufgerufen. Ziel sei, die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zu verhindern, hatte er erklärt. Die Spiele sollen am 7. Februar in dem Schwarzmeerkurort eröffnet werden. Die Sicherheitsvorkehrungen dort gelten als beispiellos.

Der Sprengsatz sei am Körper der Frau befestigt gewesen, sagte der Vizechef der örtlichen Ermittlungsbehörden, Waleri Safonow. In der Vergangenheit hatten in Russland immer wieder so bezeichnete Schwarze Witwen Selbstmordanschläge verübt, um auf diese Weise den Tod ihrer Männer zu rächen.

Spurensicherer fanden am Ort der Detonation - der Haltestelle Lessobasa im Stadtteil Krasnoarmejski - auch Leichenteile. Der Anschlag ereignete sich am Nachmittag. Unter den Opfern waren Medien zufolge vor allem Studenten der Wolgograder Universität. Überlebende berichteten, dass die Frau kurz nach dem Einsteigen in den Bus den Sprengsatz gezündet habe.