Mehrheitseigner wollen Vorstand trotz Abgasskandal entlasten

Der VW-Hauptaktionär Porsche SE (PSE) will den Vorstand des Autobauers trotz der Abgaskrise auf der Hauptversammlung entlasten. «Die Porsche SE wird für eine Entlastung des Vorstands stimmen», sagte ein PSE-Sprecher am Mittwoch.

Mehrheitseigner wollen Vorstand trotz Abgasskandal entlasten
Nigel Treblin Mehrheitseigner wollen Vorstand trotz Abgasskandal entlasten

Damit gäbe es zumindest eine einfache Mehrheit für die Entscheidung, denn die Porsche SE verfügt über mehr als die Hälfte der Stimmrechte bei Volkswagen. Die Holding wird von der Familie Porsche/Piëch kontrolliert.

Vertreter von kleineren Aktionären haben angekündigt, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Wenn ein Vorstand auf einer Hauptversammlung nicht entlastet wird, hat das zwar keine direkten juristischen Konsequenzen, ist aber in der Regel ein Zeichen für fehlendes Vertrauen der Aktionäre in die Manager.

Der skandalgeschüttelte VW-Konzern muss sich weiter mit Altlasten der Abgasaffäre herumschlagen. Erstmals seit Bekanntwerden der Manipulationen an Millionen Dieselwagen im September 2015 treffen in Hannover an diesem Mittwoch Anteilseigner, Vorstände und Aufsichtsräte aufeinander. Dabei dürfte es viele kritische Fragen zur weiteren Aufarbeitung der Krise geben.

Der Aufsichtsrat bei Volkswagen, in dem auch Vertreter der Porsche SE sitzen, hatte die Entlastung der Vorstände vorgeschlagen. Nachdem allerdings die Staatsanwaltschaft Braunschweig Ermittlungen gegen Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess aufgenommen hatte, gab es Spekulationen über Zweifel an dem Vorschlag.

Auch den Dividendenvorschlag des Autobauers will die Porsche SE wie erwartet abnicken, wie der PSE-Sprecher sagte. Stammaktionäre sollen 11 Cent, Vorzugsaktionäre 17 Cent für ein Papier erhalten.

Innerhalb der Familien Porsche und Piëch hatte es nach dpa-Informationen längere Zeit «Diskussionen» darüber gegeben. In einem Interview mit der «Bild»-Zeitung hatte VW-Aufsichtsrat und PSE-Miteigentümer Hans Michel Piëch allerdings bereits in der vergangenen Woche erklärt, das Thema sei «vom Tisch».

Wäre den Vorzugsaktionären zweimal hintereinander eine Dividende verweigert worden, hätten sich deren Papiere in Stammaktien mit Stimmrecht gewandelt. Eine solche Entwicklung hätte die an sich festen Mehrheitsverhältnisse bei VW durcheinander wirbeln können.