Merkel in Dachau: «Für mich ein sehr besonderer Moment»

Historischer Tag in Dachau: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Dienstag das ehemalige Konzentrationslager in Bayern besucht. Das hat noch keiner ihrer Vorgänger im Amt getan.

Merkel in Dachau: «Für mich ein sehr besonderer Moment»
Inga Kjer Merkel in Dachau: «Für mich ein sehr besonderer Moment»

«Für mich ist es ein sehr besonderer Moment», sagte Merkel, die bei ihrem Besuch mit Holocaust-Überlebenden zusammentraf. «Die Erinnerung an diese Schicksale erfüllt mich mit tiefer Trauer und Scham.» Die Erinnerung müsse von Generation zu Generation weitergegeben werden. «Junge Menschen müssen wissen, welches Leid von Deutschland ausgegangen ist», sagte Merkel. Gemeinsam mit dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer legte sie einen Kranz nieder.

Die Kanzlerin dankte Mannheimer und anderen Überlebenden. «Es ist eine große Ehre, dass sie mit mir die KZ-Gedenkstätte Dachau besuchen», sagte Merkel. «Herzlichen Dank, dass ich heute hier sein darf.»

Ihr Besuch hatte zuvor auch für Diskussionen gesorgt, weil er in einem kurzen Zeitfenster zwischen zwei Wahlkampfauftritten in Erlangen bei Nürnberg und der Stadt Dachau stattfand. In Dachau trat Merkel im Anschluss in einem Bierzelt auf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, der Holocaust-Überlebende Mannheimer habe die Kanzlerin zum Besuch der KZ-Gedenkstätte eingeladen, nachdem er von ihrem geplanten Auftritt in der Stadt erfahren habe.

Die Bundestagsfraktionschefin der Grünen, Renate Künast, sagte jedoch der «Leipziger Volkszeitung»: «Wer es ernst mit dem Gedenken an einem solchen Ort des Grauens meint, der macht einen solchen Besuch garantiert nicht im Wahlkampf.» Künast nannte es eine «geschmacklose und unmögliche Kombination», dass Merkel direkt nach ihrem KZ-Besuch eine Wahlkampfrede im CSU-Bierzelt hielt. Der Historiker Wolfgang Benz kritisierte im Bayerischen Rundfunk, es wirke beiläufig, «wenn man, kurz bevor man dann ins Festzelt zum Wahlkampf geht, noch den Kranz niederlegt und Betroffenheit äußert».

Der Zentralrat der Juden in Deutschland verteidigte die Regierungschefin hingegen: «Mit Frau Merkel besucht immerhin erstmals ein deutscher Kanzler die KZ-Gedenkstätte in Dachau», sagte der Zentralratsvorsitzende Dieter Graumann zu «Spiegel Online». Er werde auf jeden Fall der letzte Mensch im Land sein, der einen Besuch der Kanzlerin in Dachau kritisiere. Der 85 Jahre alte Holocaust-Überlebende Abba Naor sagte: «Die Hauptsache ist, sie war da. Was sie danach macht, ist egal.»

Das KZ Dachau diente den Nationalsozialisten als Modell für alle späteren Konzentrationslager. In den zwölf Jahren seines Bestehens wurden dort und in zahlreichen Außenlagern mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten. Mehr als 43 000 Häftlinge wurden ermordet.