Merkel verteidigt Spiel-Absage in Hannover

 Bundesregierung und Sicherheitsexperten haben die kurzfristige Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover wegen des Terroralarms als unvermeidlich verteidigt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Entscheidung des Innenministeriums richtig.

Die Verantwortlichen hätten sich in Hannover «im Zweifel für die Sicherheit» entschieden, sagte sie. Dies seien «vielleicht die schwierigsten Entscheidungen im Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit». Auch Bundeskriminalamt (BKA) und Verfassungsschutz halten die Absage des Spiels Deutschland-Niederlande für richtig und sprachen von einer weiter ernsten Bedrohungslage.

Die Fußball-Bundesliga spielt an diesem Wochenende unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. «Wir wollen dem Terror nicht weichen. Auf der anderen Seite muss der Schutz von Menschenleben höchste Priorität genießen», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) befürwortet die Spiele. «Ein klammes Gefühl kann ich verstehen», sagte er bei einer BKA-Tagung in Mainz. «Aber wir sollten trotzdem unsere Lebensweise nicht ändern.» Länderminister kündigten für Weihnachtsmärkte erhöhte Wachsamkeit der Polizei an.

Nach der Terrorserie von Paris mit 129 Toten hält de Maizière weitere Anschläge der IS-Miliz für möglich. «Die Bedrohungslage für Europa und auch für Deutschland ist ernst - wirklich ernst», sagte er bei der BKA-Tagung. Ob der Hinweis auf einen Anschlag in Hannover ein Fehlalarm war, ist unklar: «Wir wissen bis heute nicht, ob der Hinweis so zutraf», sagte de Maizière im ZDF. Der Hinweis sei von einem ausländischen Partner gekommen und habe sich auf eine bestimmte Anschlagsart und -weise rund um das Spiel bezogen.

BKA-Präsident Holger Münch warnte in Mainz vor Panik: «Es bleibt bei der grundsätzlichen Einschätzung, dass wir in Deutschland eine ernstzunehmende aktuelle Bedrohungslage insgesamt haben, aber darüber hinaus haben wir jetzt keinen konkreten Hinweis auf ein weiteres Ziel.» Er könne aber verstehen, «dass die Bevölkerung sich jetzt mehr Sorgen macht».

Auch Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hält nach der Terrorserie von Paris, zu der sich das Netzwerk Islamischer Staat (IS) bekannt hat, weitere Aktionen für denkbar: «Wenn der IS uns treffen kann, wenn der IS Terroranschläge in Deutschland durchführen kann, wird er es tun. Das ist unsere große Sorge.»

Der Chef der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), sagte, für Fußballspiele, Weihnachtsmärkte und Karnevalsumzüge lägen keine Hinweise auf geplante Attentate vor. Die Polizei sei in höchster Bereitschaft. Nordrhein-Westfalen verstärkte seine Sicherheitsmaßnahmen: Zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte kündigte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) an. Hinweise, dass Fußballspiele gefährdet sein könnten, gebe es nicht. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, bei den Spielen der Bundesliga und auf Weihnachtsmärkten seien Sicherheitskräfte in den kommenden Wochen besonders wachsam.

Am Mittwoch traf sich in Berlin erneut das Sicherheitskabinett. Dazu gehören neben Merkel ihr Kanzleramtschef Peter Altmaier, de Maizière, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (alle CDU) sowie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), außerdem von der SPD Vizekanzler Sigmar Gabriel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Justizminister Heiko Maas.