Metall-Tarifparteien ringen um Pilotabschluss im Südwesten

Arbeitgeber und IG Metall ringen in Böblingen bei Stuttgart um eine Lösung im bundesweiten Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie. Nachdem beide Seiten ihren Einigungswillen bekräftigt hatten, verhandelten sie über die Themen Altersteilzeit und Weiterbildungsteilzeit.

Über eine Entgelterhöhung sollte erst nach einer Annäherung in diesen Fragen gesprochen werden. Der IG-Metall-Forderung nach 5,5 Prozent mehr Geld setzten die Arbeitgeber bisher ein Angebot von 2,2 Prozent entgegen.

Für ein verbessertes Angebot in der vierten Tarifrunde legten nach Gewerkschaftsangaben bis zum frühen Nachmittag knapp 100 000 Beschäftigte aus 480 Betrieben die Arbeit kurzzeitig nieder. Im Südwesten wurde mit 47 000 Warnstreikenden ein Teilnehmer-Rekord erzielt; in Bayern ließen rund 35 000 ihre Arbeit ruhen. Seit dem Beginn der Warnstreik-Aktionen Ende Januar waren bundesweit rund 850 000 Metaller aus rund 3800 Betrieben in den Ausstand getreten.

Gesamtmetall und IG-Metall-Vorstand haben Baden-Württemberg als Pilotbezirk festgelegt. Mit einem richtungsweisenden Abschluss für die Gesamtbranche mit ihren 3,7 Millionen Beschäftigten - davon fast 800 000 im Südwesten - soll ein Streik abgewendet werden.

Kommt es zu keiner Lösung in dem Tarifkonflikt, droht der erste große Streik in der Branche seit 2002. Eine mögliche Einigung war von einer Expertenkommission mit Fachleuten aus Südwest-Betrieben vorbereitet worden.

Die Gespräche in Böblingen wurden zunächst von je fünf Teilnehmern aus jedem Lager geführt. Währenddessen gab es immer wieder Rückkoppelungen mit den Spitzenleuten, dem IG-Metall-Vorsitzenden Detlef Wetzel und Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger.

«Die IG Metall muss auf das gute Arbeitgeber-Angebot reagieren», sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf, bevor er in das Gespräch ging. Die Wahrscheinlichkeit eines Pilotabschlusses sei aber «relativ hoch». IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger forderte die Arbeitgeber auf, ihr Angebot deutlich nachzubessern. Dann bestehe eine «gute Einigungsmöglichkeit». Das Entgelt-Angebot ist aus Sicht Zitzelsbergers «deutlich zu gering».

Die Unternehmen wollen den Anteil der Belegschaft, der in Altersteilzeit sein kann, zum Ärger der Metaller von vier auf zwei Prozent halbieren. Einen Anspruch, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, wollen sie nur besonders belasteten Schichtarbeitern gewähren.

Auch eine «Zwangsabgabe» für die Weiterbildung - zumal wenn sie keinen betrieblichen Bezug hat - lehnen sie bislang ab. Die IG Metall argumentiert dagegen, dass sich viele Beschäftigte eine Qualifizierung nicht leisten können. Dies solle ihnen mit einem Zuschuss der Betriebe ermöglicht werden, meint die Gewerkschaft.

Die Arbeitgeber setzen stattdessen auf Ansparmodelle für Zeit und Geld. So könnten Mitarbeiter Sonderzahlungen und Mehrarbeit horten, um sie für ihre Weiterbildung zu nutzen.

Es ist gut möglich, dass bei der Weiterbildung noch kein Pilotabschluss zustande kommt. Denn im Südwesten ist die Regelung für zeitliche Freistellungen schon großzügiger als in den anderen sieben Tarifbezirken. So können Beschäftigte wegen Weiterbildung bis zu fünf Jahre aus einem Betrieb ausscheiden und danach wieder mindestens auf den gleichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz zurückkehren.