Metall und Schellack: Die Geschichte der Schallplatte

Wer im Jahre 1900 Musik abspielen wollte, brauchte einiges Fingerspitzengefühl: Erst ordentlich an der kleinen Kurbel des Grammophons drehen, anschließend die Nadel zielgenau an einer Rille der Wachswalze anlegen und diese zum Rollen bringen.

Metall und Schellack: Die Geschichte der Schallplatte
Holger Hollemann Metall und Schellack: Die Geschichte der Schallplatte

Dann musste noch die Geschwindigkeit manuell eingestellt werden - ging das daneben, tönte aus dem Metalltrichter ein jodelähnliches Gedudel. Wie wackelig der Ton der ersten Musikträger war, können Besucher in der Ausstellung «78, 45, 33 - vom sanften Ton zum starken Sound» im Museum für Energiegeschichte in Hannover ab dem 20. März nachhören. Das Museum zeigt dort die Entstehungsgeschichte der Schallplatte.

Die ersten Platten sehen ein wenig aus wie riesige CDs: Sie sind aus kiloschwerem Metall, in schnörkeliger Schrift wurde der Titel auf die Metallplatte geschrieben. «Küssen kann ka Sünd sein» tönte um die Jahrhundertwende aus der Spieldose, wenn sich das Metallrad drehte. «Wir sehen hier eine der ersten Möglichkeiten, Musik überhaupt abzuspielen», sagt Sabine Müller, Pressesprecherin und Museumspädagogin im Museum für Energiegeschichte. Die Ausstellung drehe sich nicht nur um die Schallplatte und um Plattenspieler, sondern zeige vor allem eines: «Was alles unternommen wurde, um Töne überhaupt zu konservieren.»

1877 gelang es dem Amerikaner Thomas Alva Edison, erstmals Töne mithilfe eines Phonographen aufzunehmen und wieder abzuspielen. Der gebürtige Hannoveraner Emile Berliner entwickelte daraus das Grammophon und anschließend die Schallplatte. Gemeinsam mit seinen Brüdern gründete Berliner die Deutsche Grammophon Gesellschaft, aus deren Nachlass ein Großteil der Ausstellungsobjekte stammt.

Nach Metallplatte und Wachswalze wurde der Ton auf der Schellack-Platte festgehalten. Die Herstellung einer Kopie war äußerst aufwendig. «Die Platten wurden nach dem Vater-Mutter-Sohn-Prinzip hergestellt», erklärt Müller. «Bei der Aufnahme der Musik wurde eine Original-Matrize aus Wachs hergestellt - der Vater. Davon wurde ein Negativ erstellt, das ist die Mutter». Von der Mutter konnten dann beliebig viele «Söhne» abgezogen werden. Das Schellack-Material hierfür war teuer, die Kunden wurden deshalb dazu aufgerufen, gehörte Platten wieder abzugeben. Sie wurden eingeschmolzen und neu gepresst.

An einzelnen Hörstationen können Besucher die Tondokumente aus 100 Jahren der Schallkonservierung auch anhören - von Reden über Chansons bis zu Popmusik.