Metro-Chef: Verdi stellt Tarifpartnerschaft infrage

Angesichts der Streiks im Einzelhandel wirft Metro-Chef Olaf Koch der Gewerkschaft Verdi vor, die Tarifpartnerschaft infrage zu stellen. «Verdi sollte darauf achten, den Bogen nicht zu überspannen. Eine Tarifpartnerschaft verlangt auch partnerschaftlichen Umgang miteinander», sagte Koch der «WirtschaftsWoche».

Metro-Chef: Verdi stellt Tarifpartnerschaft infrage
Caroline Seidel Metro-Chef: Verdi stellt Tarifpartnerschaft infrage

Die Arbeitgeber waren am Freitag nicht zur fünften Tarifrunde in Nordrhein-Westfalen erschienen und ließen die Gespräche platzen. Als Grund nannten sie die massiven Streiks am Verhandlungstag. Am Donnerstag waren bereits die Einzelhandels-Arbeitgeber und die Gewerkschaft im Südwesten ohne Annäherung auseinandergegangen.

Koch kritisierte, der Metro-Konzern unter anderem mit Real und Kaufhof sei weit überproportional von Streiks betroffen. Die Tarifgemeinschaft sei auch «weiterhin wichtig und wünschenswert», sagte Koch. «Aber es gibt Grenzen, wenn diese Partnerschaft infrage gestellt wird - wie ja auch die Tarifflucht anderer Unternehmen zeigt.»

In NRW fordert Verdi für 462 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie 231 000 geringfügig Beschäftigte der Branche 6,5 Prozent mehr Geld. Zudem soll der Manteltarifvertrag ohne Abstriche wieder in Kraft gesetzt werden. Die Arbeitgeber boten Anhebungen in zwei Stufen von 2,5 Prozent in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr an. Sie verknüpfen ihr Angebot aber mit Forderungen. Unter anderem wollen sie flexiblere Arbeitszeitregelungen durchsetzen.

Im Südwesten verlangt Verdi einen Euro mehr pro Stunde für die rund 220 000 tariflich Beschäftigten, lehnt aber Änderungen im Manteltarif und die Einführung neuer Lohngruppen ab. Die Arbeitgeber wollen Gehaltsstrukturen und Arbeitszeiten indes komplett überarbeiten.