Mögliche Annäherung im US-Etatstreit beflügelt deutsche Aktien

Die Hoffnung auf Fortschritte im US-Haushaltspoker hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag beflügelt. Der Dax stieg nach drei etwas schwächeren Tagen um 1,99 Prozent auf 8685,77 Punkte.

Der MDax legte um 1,37 Prozent auf 15 171,59 Punkte zu und der TecDax kletterte um 1,53 Prozent auf 1085,05 Punkte nach oben.

US-Präsident Barack Obama will offenbar den Schulterschluss mit den Republikanern suchen und Finanzminister Jack Lew erhöhte den Druck auf den Kongress. Hinzu kommen Vorschläge führender Republikaner, das Schuldenlimit zumindest kurzfristig anzuheben. Wenn die USA nicht bis Mitte des Monats die Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar erhöht, droht der größten Volkswirtschaft der Welt rasch das Geld auszugehen.

Die äußerst positiven Kursreaktion allein auf Meldungen über eine Annäherung zwischen Demokraten und Republikanern zeige, dass die Finanzmärkte nicht wirklich an einen baldigen Zahlungsausfall der USA glaubten, sagte Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX. Die Börsen seien auch von der Angst getrieben worden, im Fall einer Einigung weitere Kursanstiege zu verpassen. Anleger, die bislang nicht zwangsläufig mit einer Lösung gerechnet hätten, wollten den Zug offenbar nicht verpassen.

Die Aktien der Commerzbank zogen an der Spitze des deutschen Leitindex um fast sechs Prozent an. Händler verwiesen auf wieder aufgeflammte Spekulationen über ein mögliches Kaufinteresse ausländischer Finanzkonzerne. Für die Anteilsscheine von Infineon ging es nach positiv aufgenommenen Unternehmensaussagen zum Geschäft mit Handybauteilen um 2,72 Prozent nach oben. Verluste verbuchten nur die beiden als defensiv geltenden Werte Fresenius und Fresenius Medical Care.

Im Fokus standen aber vor allem Papiere aus der zweiten Reihe. Zu den Favoriten im MDax zählten die Gagfah-Aktien mit plus 4,17 Prozent. Die Immobiliengesellschaft löste erneut Verbindlichkeiten für etwas mehr als eine Milliarde Euro zu deutlich günstigeren Konditionen ab. Bei den ProSiebenSat.1-Titeln sorgte ein positiver Analystenkommentar für gute Stimmung unter den Aktionären. Die Papiere des Medienkonzerns verteuerten sich um 4,06 Prozent.

Die Anteilsscheine von Rheinmetall litten mit minus 0,85 Prozent unter einer Senkung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody's. Damit wird die Geldbeschaffung teurer.

Der EuroStoxx 50 stieg um 2,23 Prozent auf 2969,41 Punkte. Der Londoner FTSE 100 und der Cac 40 in Paris zogen ebenfalls deutlich an. In New York stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss rund eineinhalb Prozent höher.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,46 Prozent am Vortag auf 1,51 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,18 Prozent auf 133,44 Punkte. Der Bund Future sank um 0,40 Prozent auf 139,60 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3532 (Mittwoch: 1,3515) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7390 (0,7399) Euro.