Mögliche Notenbank-Hilfen sorgen für Kurssprünge am Aktienmarkt

Nach einem trüben Jahresstart nimmt der deutsche Aktienmarkt langsam Fahrt auf. Wieder einmal ist es die Spendierfreude der Notenbanken, auf die die Anleger hoffen. Das reichlich zur Verfügung stehende Geld treibt seit Jahren die Kurse.

Die Hoffnung auf Unterstützung durch die Notenbanken hat den deutschen Aktienmarkt beflügelt. Der wieder aufkeimende Optimismus der Anleger ließ den Dax um 1,55 Prozent auf 9665,64 Punkte steigen, nachdem der deutsche Leitindex bereits zur Wochenmitte seinen jüngsten Abwärtstrend gestoppt hatte. Seit Jahresbeginn muss er aber immer noch ein Minus von rund anderthalb Prozent verkraften.

Für den Index der mittelgroßen Werte, den MDax, ging es am Donnerstag um 1,42 Prozent auf 17 079,75 Punkte nach oben. Der Technologiewerte-Index TecDax zog um 2,05 Prozent auf 1396,54 Punkte an. Beim EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone stand ein Plus von 1,90 Prozent.

Eine Aufwärtsreaktion an den Aktienmärkten sei insgesamt überfällig gewesen, da diese zuletzt deutlich gefallen seien, sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba. Die Initialzündung kam nun offenbar aus den USA: Die Wall Street hatte zur Wochenmitte sowohl die Absage der Notenbank Fed an allzu rasche Zinserhöhungen als auch den vorerst gestoppten Ölpreis-Verfall und einige Konjunkturdaten gut aufgenommen.

Die Anleger zeigten sich Börsianern zufolge zuversichtlich, dass die wichtigsten Notenbanken weiterhin das Wirtschaftswachstum stützen und sich gegen den als zu niedrig erachteten Preisauftrieb stemmen werden. So wird die Fed den Leitzins auf den nächsten beiden Sitzungen voraussichtlich noch nicht anheben, wie das am Mittwoch veröffentliche Protokoll zur Sitzung vom 16. und 17. Dezember zeigte.

Sorgen vor einem überraschend schnellen Anstieg des Leitzinses in den USA hatten die Märkte um den Jahreswechsel unter Druck gesetzt. Nun habe die Fed ihre «geduldige» Haltung in puncto Leitzinserhöhung bekräftigt, schrieb Analyst Kornelius Barczynski vom Broker GKFX.

Auch die jüngsten, uneinheitlichen Konjunkturdaten aus der Eurozone konnten die Spekulationen um Konjunkturspritzen durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht eindämmen. So waren im Einzelhandel die Geschäfte im November zwar besser als erwartet gelaufen. Das Geschäftsklima aber war Ende des vergangenen Jahres überraschend schwach ausgefallen.

An der Dax-Spitze kletterten die Bayer-Aktien um 3,12 Prozent auf 113,90 Euro. Ein Händler verwies darauf, dass Pharmawerte bereits zur Wochenmitte in den USA zu den gefragtesten Papieren gezählt hätten. Auch hierzulande würden Investoren diese Branchentitel schätzen, da sie sich vor dem Hintergrund einer möglichen wirtschaftlichen Abschwächung besser als der Gesamtmarkt schlagen könnten.

Bankaktien aber litten unter der Ankündigung der spanischen Großbank Santander, bis zu 7,5 Milliarden Euro an frischem Geld einsammeln zu wollen. Die Titel der Commerzbank büßten mehr als 1 Prozent ein, für die Papiere der Deutschen Bank ging es um 0,50 Prozent nach unten. Hintergrund der Kursverluste sind wieder aufkeimende Sorgen um den Kapitalbedarf in der Branche.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,39 Prozent am Vortag auf 0,42 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,10 Prozent auf 139,76 Punkte. Der Bund Future gab um 0,05 Prozent auf 156,61 Punkte nach. Der Euro geriet weiter unter Druck. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1768 (Mittwoch: 1,1831) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8498 (0,8452) Euro.