Microsoft leitet radikale Kehrtwende bei der Xbox One ein

Microsoft zeigt mit seiner neuen Spielekonsole Xbox One kein glückliches Händchen.

Microsoft leitet radikale Kehrtwende bei der Xbox One ein
Michael Nelson

Nach heftiger Kritik aus der Spielegemeinde leitet der Konzern nun eine radikale Kehrtwende ein. Mit Online-Zwang und Restriktionen bei der Nutzung von gebrauchten Spielen hatte das Unternehmen die Spielergemeinde heftig gegen sich aufgebracht.

Jetzt geht's zurück: Man habe der Fangemeide zugehört und verstanden, schrieb Xbox-Chef Don Mattrick in einem Firmenblog.

Es sei schon dramatisch, wenn ein Weltkonzern wie Microsoft seine Pläne so schnell umwirft, stellt Spielexperte Stephan Freundorfer fest. Ein bisschen spiele Microsoft nun die «beleidigte Leberwurst».

Dabei habe das Konzept der Xbox One gezeigt, wohin der Weg in der Branche gehe. «Microsoft hat es aber mit der Brechstange versucht.» Dem Marketing sei es nicht gelungen, die Vorteile der Pläne überzeugend zu vermitteln.

Die Xbox One soll noch zum Weihnachtsgeschäft weltweit in die Läden kommen, in etwa zeitgleich mit der Playstation 4, der neuen Konsole des Rivalen Sony.

Die neuen Hightech-Spielzeuge sollen die nächste Generation des Gaming einläuten. Mit diversen Funktionen war Microsoft allerdings in der Spielergemeinde angeeckt. So sollte es obligatorisch sein, dass die Xbox One mindestens alle 24 Stunden online geht.

Spiele auf Blu-ray oder DVD sollten darauf überprüft werden, ob sie neu oder gebraucht gekauft wurden. Microsoft erforschte auch Pläne, die Zahl der Zuschauer oder Spieler vor der Konsole zu erfassen um etwa bei gestreamten Filmen entsprechende Abrechnungsmodelle zu entwicklen.

Nun die Kehrtwende. Spiele auf physischen Datenträgern werden auf der Xbox One wie bei der Xbox 360 auch ohne Online-Verbindung spielbar sein, erklärte Mattrick. Auch gebrauchte, geschenkte oder geliehene Spiele laufen ohne regionale Begrenzung auf der Konsole.

Allerdings könnten die Spiele von einem Medium nun auch nicht in der Cloud abgelegt und geteilt werden. Heruntergeladene Spiele wird man auch nicht mit mehreren Spielern über die Cloud nutzen können, sie seien an die jeweilige Konsole gebunden.

In der Netzgemeinde stieß der Richtungswechsel zunächst auf große Zustimmung. Fraglich bleibt, ob die Spieler so schnell wieder zu besänftigen sind. Sony hatte mit seiner Playstation 4 unmittelbar von dem Groll der Xbox-Nutzer profitiert und hob unterdessen die Geschäftserwartungen für seine Konsole an. Zumindest in den USA soll die erste Charge der Playstation 4 bei den Vorbestellungen bereits ausverkauft sein.

Manche Spieler zeigten sich aber auch enttäuscht. Einige hätten die Xbox One gerade wegen der neuen Funktionen vorbestellt, die sie haben sollte, schrieb ein Nutzer im Kurznachrichtendienst Twitter. «Niemand braucht eine Xbox 360 v.2.0». Die Ära der traditionellen Spielekonsolen sei ohnehin vorbei, sagt Freundorfer.

Microsoft habe mit dem ursprünglichen Konzept frühzeitig den Weg dorthin geebnet. In fünf Jahren werde es kaum noch jemanden geben, der ein Spiel auf einem physischen Datenträger aus dem Laden kauft. «Dann hat sich das Digital Rights Management sowie durchgesetzt.»