Microsoft und FBI zerschlagen kriminelle Bot-Netzwerke

Der Software-Konzern Microsoft hat zusammen mit anderen Firmen sowie der US-Bundespolizei FBI einem Ring von Online-Kriminellen einen Schlag versetzt.

Microsoft und FBI zerschlagen kriminelle Bot-Netzwerke
Patrick Seeger

Wie der Windows-Hersteller am Sitz in Redmond erklärte, konnten mehr als tausend sogenannte Botnetze zerschlagen werden. Über diese sollen Bankdaten und andere persönliche Daten gestohlen worden sein. Der Schaden für Privatleute und Firmen liege bei mehr als einer halben Milliarde Dollar (380 Mio Euro), hieß es.

Es sei das bislang aggressivste Vorgehen Microsofts gegen Botnetze, schrieb der stellvertretende Chefjustiziar Richard Boscovich am Mittwoch (Ortszeit) im Firmenblog. Botnetze bestehen aus einer Vielzahl von vernetzten Computern, die mit Schadsoftware infiziert sind.

Die einzelnen Rechner in einem Botnet gehören meist ahnungslosen PC-Besitzern, die nicht wissen, dass die mit einem Computer-Virus oder Trojaner infizierten Maschinen von außen fremdgesteuert werden. In solchen Fällen sollen die Kriminellen beispielsweise auch die Tastaturanschläge der Nutzer aufgezeichnet haben, um etwa in deren Bankkonten einzudringen.

FBI-Ermittler Richard McFeely lobte die gemeinsame Aktion von IT- und Finanzfirmen sowie der Polizei als zukunftsweisend. Microsoft musste allerdings einräumen, dass angesichts der Verbreitung der eingesetzten Schadsoftware namens Citadel damit gerechnet werden müsse, dass nicht alle Botnetze abgeschaltet worden seien.

Der Konzern sprach von fünf Millionen Betroffenen oder mehr. In der Mitteilung war auch nicht von Festnahmen die Rede oder davon, dass das verschwundene Geld sichergestellt worden sei.

Microsoft hat sich dem Kampf gegen Botnetze verschrieben. Diese gekaperten Computern werden immer wieder auch dazu benutzt, Webseiten durch ein Datenbombardement («Denial-of-Service-Attacke») lahmzulegen. Windows-PCs gelten als besonders gefährdet für die verwendete Schadsoftware, auch weil sie weit verbreiteter sind als etwa Mac- oder Linux-Computer. Das macht sie für Kriminelle attraktiv.

Zudem versäumen es viele Nutzer, Sicherheitslücken zu stopfen oder auf ihrem Rechner eine wirkungsvolle Schutzsoftware einzusetzen. Gerade in Deutschland klaffe eine große Lücke zwischen den Sorgen der Nutzer und dem, was sie tatsächlich an Schutzmaßnahmen treffen, sagte Thomas Baumgärtner, Sicherheits-Experte bei Microsoft.

Das habe zuletzt auch eine weltweite Studie belegt. «Auch ein neuer PC hält nicht ewig», sagte Baumgärtner. Häufig achteten die Nutzer aber nicht darauf, ablaufende Verträge für den Virenschutz rechtzeitig zu aktualisieren.