Milchbauern protestieren laustark in München

 Milchbauern aus ganz Deutschland haben am Dienstag in München gegen den Preisverfall bei der Milch protestiert. Auf Transparenten warfen sie der Politik vor, der Entwicklung tatenlos zuzusehen und damit Existenzen zu vernichten.

«Aber wir werden nicht sang- und klanglos untergehen», rief der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, den Landwirten zu, die ihrem Unmut lautstark mit Kuhglocken Luft machten.

Die Bauern waren zuvor mit Hunderten Traktoren ins Münchner Zentrum gefahren. Die Kundgebung war Abschluss einer bundesweiten Sternfahrt von Landwirten aus mehreren Regionen, die vergangenen Montag in Schleswig-Holstein begonnen hatte.

Rund 3000 Landwirte auf 500 Schleppern nahmen nach Schätzungen des BDM allein an der Aktion in München teil. Schaber kündigte weitere Proteste vor dem Treffen der EU-Agrarminister am kommenden Montag (7. September) in Brüssel an.

Viele der rund 80 000 Milchbauern in Deutschland bangen um ihre Existenz, weil ihre Einnahmen aus der Milchproduktion in diesem Jahr massiv zurückgehen. Seit dem vergangenen Jahr ist der Auszahlungspreis, den sie von den Molkereien erhalten, um mehr als zehn Cent pro Kilo Rohmilch gefallen.

Der BDM macht für den Preisverfall das derzeitige Überangebot an Milch verantwortlich nach dem Wegfall der Milchquote verantwortlich und fordert ein vorübergehendes Verbot der Überproduktion durch die Europäische Union und einen Mindestpreis von 40 Cent.

«Milchmarkt gestalten statt Krisen verwalten», forderten die Landwirte auf Transparenten. Etliche Plakate richteten sich gegen die CSU und Bundesagrarminister Christian Schmidt, dem sie mangelnde Unterstützung vorwerfen. «Wer Bauern quält, wird nicht gewählt», schrieb ein Landwirt auf sein Plakat an seinem Traktor.

Die Politik allerdings ist uneinig, mit welchen Maßnahmen sie gegen den Milchpreisverfall in Europa vorgehen soll. Nach einem Treffen von Schmidt mit seinen französischen und polnischen Amtskollegen, Stéphane Le Foll und Marek Sawicki, am Montag wurde deutlich, dass Frankreich eine Intervention am Markt anstrebt. Schmidt lehnt dies aber ab.