Milchindustrie erwartet steigende Preise

Verbraucher in Deutschland müssen mit noch teurerer Milch rechnen. «Die Tendenz ist, dass die Preise weiter steigen», sagte Karl-Heinz Engel, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) am Donnerstag in Frankfurt.

Milchindustrie erwartet steigende Preise
Karl-Josef Hildenbrand Milchindustrie erwartet steigende Preise

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes war H-Milch im September fast ein Fünftel teurer als ein Jahr zuvor, der Butterpreis sprang sogar um 29 Prozent nach oben.

Obwohl der Liter H-Milch im Discounter heute 65 Cent koste - 5 Cent mehr als vor einem halben Jahr - seien die Preise keineswegs extrem hoch, betonte der MIV. Sie lägen nach dem Tief im Vorjahr nur etwas über dem langjährigen Mittel. Auch im EU-Vergleich bleibe Deutschland vergleichsweise günstig für die Verbraucher. Zudem würden die Produzenten nun bei steigenden Preisen Gas geben und das Angebot erhöhen, sagte Engel.

2013 werde ein gutes Jahr für die Milchindustrie, 2014 werde ebenfalls bezüglich der Preise gut starten, sagte Engel. Auch die Landwirte profitierten von der Entwicklung. Sie bekommen pro Kilogramm Milch etwa 37,5 Cent - und damit so viel wie seit Jahren nicht und 5,5 Cent mehr als 2012. «Für die Milcherzeuger wird ein Rekordjahr sehr wahrscheinlich - trotz des langen und kalten Winters und der Schäden durch das Hochwasser im Sommer», sagte Engel.

Insgesamt seien die Milchmärkte derzeit sehr stabil. Mit leichter Sorge blickt die Branche allerdings auf die Inlandsabsätze der deutschen Molkereien. Nach Angaben des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK bleibe die private Nachfrage bei allen Produkten hinter dem Vorjahresniveau zurück. Hoffnungsträger sei deshalb der ausländische Absatzmarkt, wo der Milchkonsum tendenziell steige.

Aktuell liegen die Exporte der deutschen Milchwirtschaft auf dem bereits sehr hohem Niveau des Vorjahres, sagte Engel: «Vor allem in China, Vorderasien und Nordafrika wächst der Milchkonsum rasant.» Seit 2007 habe sich der Export deutscher Trinkmilch nach China vertausendfacht, der Exportanteil in das Land sei auf 1,5 Prozent gestiegen. Eine Ende des Anstiegs sei nicht in Sicht.