Militäroffensive im Sinai: Ägyptische Armee geht gegen Milizen vor

Auf der Sinaihalbinsel geht das ägyptische Militär massiv gegen islamistische Milizen vor. Am Samstag begann nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine Großoffensive.

Soldaten und Polizisten machten an der Grenze zu Israel mit Kampfhubschraubern und Panzern Jagd auf Dschihadisten. Wie Augenzeugen berichteten, nahmen «Apache»-Hubschrauber Ziele in der Nähe der Stadt Rafah unter Beschuss. Über Tote und Verletzte wurde zunächst nichts bekannt.

Am Donnerstag hatte es in Kairo einen Anschlag auf Innenminister Mohammed Ibrahim gegeben. Er überlebte, 73 Polizisten wurden verletzt. Die staatliche Zeitung «Al-Ahram» berichtete am Samstag unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Tat von einem Selbstmordattentäter verübt worden war, der den Milizen auf dem Sinai angehört habe.

Das ägyptische Militär muss Einsätze im Grenzgebiet mit Israel absprechen, da diese sonst gegen das Friedensabkommen von Camp David verstoßen würden. Im Norden der Sinai-Halbinsel treiben seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im Februar 2011 dschihadistische Milizen ihr Unwesen. Immer wieder gibt es Angriffe auf die Sicherheitsbehörden. Auch Gaspipelines sind Ziel von Anschlägen.

Auf der Bahnstrecke zwischen den Kanal-Städten Suez und Ismailia gab es nach Angaben staatlicher Medien einen Anschlagsversuch. Wie die Zeitung «Al-Ahram» berichtete, wurden am Samstag Sprengsätze an den Schienen entdeckt. Der Zugverkehr wurde vorübergehend ausgesetzt.

Der im Juli gestürzte ägyptische Präsident Mohammed Mursi wurde derweil wegen Beleidigung der Justiz angeklagt. Ein Richter ordnete eine viertägige Untersuchungshaft für den Islamisten an, wie staatliche Medien berichteten. Der Vorwurf lautet demnach: Mursi habe die Richter, die bei der Parlamentswahl im Jahr 2005 die Aufsicht führten, vor kurzem beschuldigt, die Abstimmung manipuliert zu haben. Seit seiner Entmachtung durch das Militär am 3. Juli wird Mursi an einem unbekannten Ort festgehalten.

Gegen ihn laufen bereits mehrere Verfahren. So wird ihm der Tod von Demonstranten, die im Dezember 2012 gegen den autoritären Führungsstil der Islamisten protestiert hatten, zur Last gelegt. Ferner wird Mursi eine Verschwörung mit der radikalen Palästinenserbewegung Hamas bei der Befreiung von Insassen eines Gefängnisses im Januar 2011 vorgeworfen. Während der Massenproteste im Arabischen Frühling war Mursi gemeinsam mit anderen inhaftierten Spitzenfunktionären der Muslimbrüder aus ungeklärten Gründen aus dem Gefängnis entkommen.