Milliarden-Projekt A71 ist fertig

Sie gehört mit ihren langen Tunneln und großen Brücken längst zum Alltag Tausender Autofahrer: die Autobahn 71 quer durch Thüringen. Nun ist sie von Sachsen-Anhalt bis Bayern durchgehend befahrbar - später als gedacht.

Auch am Zubringerkreuz zur A38 von der A71 ist die Autobahn bereits fertig.
Jens Schlueter Auch am Zubringerkreuz zur A38 von der A71 ist die Autobahn bereits fertig.

Der längste deutsche Straßentunnel mit fast acht Kilometern, riesige Brücken über Bergtäler und Kosten von etwa 2,6 Milliarden Euro: Die Autobahn 71, deren letztes Teilstück an diesem Donnerstag (3. September) offiziell freigegeben wird, ist ein Projekt der Superlative.

Ihr südlicher Teil von Erfurt in Richtung Schweinfurt in Bayern ist bereits seit 2005 durchgängig befahrbar. Die Fertigstellung des 2001 begonnenen nördlichen Abschnitts von Erfurt zum Autobahndreieck Südharz bei Sangerhausen in Sachsen-Anhalt ließ aber auf sich warten.

Grund ist laut Bundesfernstraßenbaugesellschaft Deges (Berlin) ein Teilstück bei Sömmerda, an dem seit 2010 gebaut wurde. Sein Abschluss hat sich um knapp acht Monate verzögert. Wegen Rissen und Verformungen im Baugrund musste auf dem exakt 11,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen Sömmerda und dem Schmücketunnel der gipshaltige Boden der Trasse aufwendig abgetragen werden.

Die Zusatzkosten hatte Deges-Geschäftsführer Dirk Brandenburger im vergangenen Jahr auf etwa zehn Millionen Euro veranschlagt. Risiken durch Mineralien waren auf dem Abschnitt bekannt, galten aber zunächst als beherrschbar. Durch das fehlende Teilstück mussten die Einwohner von Sömmerda nach Angaben der Stadt länger als erhofft mit einer hohen Verkehrsbelastung leben.

Mit dem Lückenschluss bei Sömmerda, den das Thüringer Infrastrukturministerium angekündigt hat, ist der Autobahnneubau in Thüringen mit mehreren Verkehrsprojekten Deutsche Einheit abgeschlossen: allerdings nicht wie geplant 2014, sondern Anfang September 2015 und damit ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung. Ohne Geld aus Brüssel wäre zumindest der nördliche Teil wohl kaum entstanden. 252 Millionen Euro steuerte die EU nach Ministeriumsangaben aus ihrem Regionalfonds bei.

Insgesamt ist die A71 nach Deges-Angaben 222,6 Kilometer lang. Davon entfallen etwa 70 Kilometer auf den nördlichen Abschnitt, der die Ost-West-Autobahn A4 mit der neuen Südharz-Autobahn A38 verbindet. Das größte Bauwerk auf dem nördlichen Teil der A71 ist der Schmücketunnel mit einer Länge von rund 1700 Metern. Durch ihn rollt der Verkehr bereits seit Dezember 2008.