Milliardenfusion: FedEx will TNT Express übernehmen

FedEx fordert die Deutsche Post durch eine Milliardenfusion heraus: Der US-Konzern will den niederländischen Rivalen TNT Express übernehmen.

Die Kaufofferte liegt bei rund 4,4 Milliarden Euro, wie FedEx und TNT am Dienstag mitteilten. Zwei Jahre nach der gescheiterten Übernahme durch den US-Konzern UPC kämen die Niederländer dann doch noch in amerikanische Hände. Wenn die Brüsseler Wettbewerbshüter dem Milliardendeal zustimmen, wird das neue Unternehmen zweitgrößter Spieler auf dem europäischen Express-Markt.

Größter Rivale ist die Deutsche Post, deren DHL Express mit rasch zu übermittelnden internationalen Sendungen seit Jahren gutes Geld verdient. TNT-Großaktionär, die niederländische PostNL, stimmte dem Deal bereits zu und will seine knapp 15 Prozent Anteile verkaufen. Der Zusammenschluss soll im ersten Halbjahr 2016 unter Dach und Fach sein.

Acht Euro pro TNT-Aktie wollen die US-Amerikaner bezahlen. Das ist deutlich weniger als die 5,2 Milliarden, die UPS noch 2013 bot. FedEx ist mit einem Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro weltweit ein großer Spieler auf dem Markt. Durch die Übernahme des mit knapp sieben Milliarden Euro Umsatz kleineren TNT Express können die Amerikaner ihre Stellung in Europa deutlich ausbauen.

Von der Milliardenfusion würden beide Unternehmen profitieren, sagte TNT-Chef Tex Gunning in Amsterdam. «FedEx und TNT ergänzen sich: Sie sind stark in den Vereinigten Staaten und auf der Strecke USA-Asien. Wir sind stark in Europa und auf der Linie Asien-Europa.»

Entlassungen erwartet Gunning daher auch nicht. Da es wenig personelle Überschneidungen gebe, müssten Kuriere nicht um ihren Job fürchten, versicherte er. Bei TNT arbeiten weltweit rund 50 000 Menschen, FedEx hat 325 000 Beschäftigte.

Während FedEx im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Mrd Euro) verdiente, steckte TNT mit einem Minus von 195 Millionen Euro das vierte Jahr in Folge in den roten Zahlen.

Die niederländischen Gewerkschaften reagierten beunruhigt. «Für uns kam die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel», sagte Gewerkschaftsvertreter Reinier Stroo im niederländischen Radio. «Durch die derzeit laufende Reorganisierung ist es bereits sehr unruhig bei TNT.» Arbeitnehmer warteten nun konkrete Pläne ab.

TNT und FedEx sind davon überzeugt, dass sie auch von der EU-Kommission grünes Licht bekommen. In Kreisen der Brüsseler Wettbewerbshüter wird mit einer Anmeldung des Vorhabens in Kürze gerechnet. Vor zwei Jahren noch scheiterte die Übernahme durch das viel größere UPS, da das den Wettbewerb in Europa gestört hätte.

Die Deutsche Post reagierte gelassen auf die Fusionspläne. Bei einem internationalen Zusammenschluss dieser Größe träfen sich unterschiedliche Unternehmenskulturen und richte sich die Aufmerksamkeit der Beteiligten in der Übergangszeit verstärkt nach innen, sagte ein Post-Sprecher. Das könne zu Unruhe bei Mitarbeitern und Kunden führen. «Wir sehen durchaus Chancen, dass wir davon profitieren», sagte der Sprecher. Der Expressmarkt sei stark umkämpft, die Kunden sensibel.