Millionen dopen am Arbeitsplatz

Das Kind muss in den Kindergarten, der Einkauf erledigt und das Geschenk für die Schwiegermutter noch gekauft werden. Nebenbei warten noch Aktenberge im Büro. Bei so viel Alltagsstress sehen viele Beschäftigte oftmals nur einen Ausweg: Tabletten.

Medikamente helfen zahlreichen Angestellten, durch den Tag zu kommen.
Matthias Hiekel Medikamente helfen zahlreichen Angestellten, durch den Tag zu kommen.

Regelmäßig dopen sich den Zahlen nach knapp eine Million Berufstätige. Männer bevorzugen Aufputschmittel, Frauen Beruhigungspillen. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2015 der DAK-Gesundheit hervor.

Nach Angaben der Krankenkasse lag die Zahl der Berufstätigen, die eigentlich gesund waren, aber trotzdem leistungssteigernde Mittel oder Stimmungsaufheller für das sogenannte Hirndoping einnahmen, bei knapp drei Millionen. Das entspricht einer Steigerung in den vergangenen sechs Jahren um 2 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent der Beschäftigten.

Die Kasse geht jedoch von einer Dunkelziffer von bis zu 12 Prozent oder rund 5 Millionen Beschäftigten aus, die schon einmal derartige Substanzen missbräuchlich eingenommen haben.

"Wunderpillen gibt es nicht"

Auch wenn man noch nicht von einem Massenphänomen sprechen könne, seien Suchtgefahren und Nebenwirkungen des Hirndopings nicht zu unterschätzen, mahnte DAK-Chef Herbert Rebscher. Denn: "Wunderpillen gibt es nicht."

Entgegen der gängigen Meinung seien es in erster Linie nicht Top-Manager oder Kreative, die sich mit Medikamenten zu Hochleistungen bringen wollten, sondern das Problem liege ganz anders: "Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Arbeit, desto höher ist das Risiko für Hirndoping."

So hätten bei den Beschäftigten mit einer einfachen Tätigkeit bereits 8,5 Prozent Stimulanzien eingenommen, bei Gelernten oder Qualifizierten seien es 6,7 Prozent gewesen und bei Hochqualifizierten 5,1 Prozent. "Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch", erläuterte Rebscher.

Medikamente dank Internethandel

Zu verschreibungspflichtigen Leistungssteigerern oder Beruhigungspillen zählen Medikamente zur Behandlung von Demenz, Depressionen oder Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen. Ein Großteil kommt über Ärzte an die Mittel. Aber auch Freunde, Bekannte oder Familienangehörige seien oft bereit, solche Medikamente weiterzugeben. Ein zunehmender Faktor sei der Internethandel.

Die Krankenkasse wertete für ihren Report Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus und befragte zusätzlich 5000 Berufstätige im Alter zwischen 20 und 50 Jahren.