Mindestens 100 Verletzte bei Explosion und Tumulten in Kiew

Bei einer Explosion vor dem ukrainischen Parlament sind Dutzende Menschen verletzt worden. Insgesamt seien bei Ausschreitungen vor der Obersten Rada gegen eine umstrittene Verfassungsreform mehr als 100 Sicherheitskräfte verletzt worden.

Mindestens 100 Verletzte bei Explosion und Tumulten in Kiew
Sergey Dolzhenko Mindestens 100 Verletzte bei Explosion und Tumulten in Kiew

Das teilte der Chef der Kiewer Polizei, Alexander Tereschtschuk, mit. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt. Der Abgeordnete Anton Geraschtschenko sagte, Unbekannte hätten eine Handgranate gezündet. Nach Angaben von Polizeichef Tereschtschuk wurde ein Verdächtiger festgenommen.

Mehr als 3000 Menschen protestierten im Regierungsviertel gegen die Reform, die den von Separatisten kontrollierten Gebieten im Osten des Landes Sondergesetzte zugesteht. Demonstranten warfen bei Ausschreitungen nach der Abstimmung Pflastersteine, Flaschen und Rauchbomben auf die Sicherheitskräfte.

Die Abgeordneten hatten die Verfassungsreform mit 265 von 368 möglichen Stimmen in erster Lesung angenommen. Mitglieder der rechtspopulistischen Radikalen Partei hatten vorübergehend die Präsidiumstribüne besetzt.

Die Radikale Partei lehnt die Reform ab, da eine Passage ein Sondergesetz über die von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete Luhansk und Donezk vorschreibt. Ein bereits im vorigen September verabschiedetes Gesetz sieht Sonderrechte wie eine eigene Polizei und eigene Gerichte für einen Zeitraum von drei Jahren vor. Nationalisten sehen darin eine schleichende Aufgabe ukrainischen Territoriums. Mehr Autonomie für den Donbass ist aber Teil des im Februar verabschiedeten Minsker Friedensplans.