Mindestens 48 Menschen sterben bei Dacheinsturz in Riga

Beim Einsturz eines Supermarktdaches in Lettland sind mindestens 48 Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchten am Freitag mit Hochdruck nach möglichen Überlebenden.

Mindestens 48 Menschen sterben bei Dacheinsturz in Riga
Andrejs Terentjevs Mindestens 48 Menschen sterben bei Dacheinsturz in Riga

Seit dem frühen Morgen wurden jedoch immer mehr Tote geborgen - und deren Zahl könnte noch steigen. Wie viele Opfer in der Hauptstadt Riga unter den schweren Betonteilen begraben wurden, sei unklar, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Freitag. Bürgermeister Nils Usakovs schrieb auf Facebook, unter den Trümmer befänden sich mindestens noch 25 Menschen.

Präsident Andris Berzins sprach von einer «unfassbaren Tragödie». Medien in dem EU-Land bezeichneten den Einsturz als größten Unfall seit Lettlands Unabhängigkeit 1991. Die Ursache des Unglücks, bei dem auch mehr als 30 Menschen verletzt wurden, war zunächst offen. Eine Naturkatastrophe oder einen Terrorakt schloss Innenminister Rihards Kozlovskis aus. Es gebe Anzeichen, dass Bauvorschriften nicht eingehalten worden seien, sagte er im lettischen Fernsehen.

Augenzeugen berichteten im Fernsehen von einem Feuer-Alarm, der vor dem Einsturz losging. Dies bestätigte der Supermarktbetreiber - das Warnsystem sei am Nachmittag rund zehnmal aktiviert gewesen. Trotz des Alarmsignals sei das Gebäude am Vorabend nicht evakuiert worden, da es «keine offensichtlichen Anzeichen von Feuer» gegeben habe, sagte ein Sprecher.

Das Flachdach brach auf mindestens 500 Quadratmetern ein, das Gebäude sei wie ein Kartenhaus eingestürzt, erklärte Vizebürgermeister Andris Ameriks. Der lettische Polizeichef nannte drei mögliche Ursachen: entweder sei der 2011 eröffnete Supermarkt falsch geplant worden oder die Baustruktur wie die Statik seien nicht in Ordnung gewesen. Bauarbeiten auf dem Gebäude könnten auch ein Grund für den Einsturz gewesen sein.

Fernsehbilder zeigten, wie Soldaten mit Spürhunden nach Vermissten suchten. Rettungskräfte räumten mit Spezialkränen Trümmer zur Seite. Zahlreiche Anwohner legten vor der Absperrung Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Auch im Rigaer Dom versammelten sich mehrere hundert Menschen, um der Opfern des Unglücks zu gedenken.

Regierungschef Valdis Dombrovskis verhängte eine dreitägige Staatstrauer. Am Montag soll landesweit eine Gedenkminute für die Opfer einlegt werden. Die Nachbarländer Estland und Litauen wollen die Nationalflaggen am Sonntag auf halbmast setzen. In lettischen Botschaften im Ausland liegen Kondolenzbücher aus.

Unter den Toten sind auch drei Feuerwehrmänner, mindestens sieben Helfer wurden bei dem Einsatz verletzt. Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes sprach von einer sehr komplizierten und gefährlichen Hilfsaktion. Es sei nicht auszuschließen, dass noch stehende Teile einstürzen. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf.

Die Behörden haben Videoaufnahmen von den Überwachungskameras im Supermarkt erhalten, wie der lettische Polizeichef sagte. Die Bilder sollen von Experten analysiert werden. Die Polizei erhofft sich von den Aufnahmen Hinweise auf die Unglücksursache. Zudem hat sie daraus für die Helfer einen Lageplan mit Standorten erstellt, an denen noch Opfer vermutet werden.