Mindestens 87 Tote bei schwerem Beben auf den Philippinen

Mindestens 87 Menschen sind bei einem schweren Erdbeben auf den Philippinen ums Leben gekommen. Einstürzende Häuser und herabfallende Trümmerteile verletzten nach Behördenangaben Hunderte weitere. Bei einer Massenpanik wurde ein vierjähriges Mädchen zu Tode getrampelt.

Das Beben hatte eine Stärke von 7,2. Es passierte um 8.12 Uhr Ortszeit (2.12 Uhr MESZ) 640 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Manila auf der Insel Bohol, unweit der Ortschaft Carmen.

Allein in der Provinz Bohol, dem Epizentrum des Bebens, kamen am Dienstag nach Polizeiangaben 77 Menschen ums Leben. Mindestens neun Menschen starben in der nahe gelegenen Provinz Cebu, ein weiteres Opfer meldete die Behörde für Katastrophenschutz aus der Provinz Siquijor. Da die Rettungsarbeiten am Dienstag noch andauerten, wurde ein weiterer Anstieg der Opferzahlen erwartet.

Die betroffene Region der Inselgruppe Zentral-Visayas ist ein beliebtes Touristenziel mit rund drei Millionen Besuchern im Jahr. «Es war heftig, ein Riesenschock», berichtete die deutsche Auswanderin Brigitte Lux (63) der Nachrichtenagentur dpa. Sie lebt auf Panglao keine 50 Kilometer vom Zentrum des Bebens entfernt.

Die Schäden waren erheblich: Zahlreiche Häuser sowie mehrere historische Kirchen wurden schwer beschädigt, riesige Felsbrocken krachten auf Straßen und lösten Erdrutsche aus, Brücken wurden unpassierbar und Dächer und Mauern stürzten ein, berichtete die Katastrophenbehörde vor Ort. Zudem brach in Bohol sowie in Teilen Cebus die Stromversorgung zusammen.

Tausende Menschen rannten in Panik auf die Straßen. Ein vierjähriges Mädchen wurde in einer Massenpanik in der Ortschaft Pinamungahan zu Tode getrampelt, sagte Wohlfahrtsministerin Corazon Soliman. In der Stadt Cebu mit 900 000 Einwohnern 60 Kilometer westlich des Epizentrums stürzte nach Angaben der Lokalbehörde die Decke einer Markthalle ein. Am Doctor's University-Krankenhaus krachten Teile des Dachs herunter.

Mehrere Inlandsflüge wurden gestrichen, da sich die Behörden einen Überblick über die Schäden an den Flughäfen Cebu City und Tagbilaran City verschaffen wollten. Nach der Überprüfung wurden beide Flughäfen wieder geöffnet. Auf Bohol wurden die historischen Kirchen in Loboc und Baclayon erheblich beschädigt. Die Fassaden und Glockentürme stürzten ein, ebenso an der Basilica Minore del Santo Nino in Cebu.

Die Philippinen bestehen aus mehr als 7000 Inseln. In der Region reiben drei verschiedene Erdplatten aneinander. Erdbeben sind häufig. Die folgenschwersten der jüngeren Zeit waren 1976 das Beben der Stärke 7,6 im Golf von Moro im Süden des Landes. Dabei kamen 7000 Menschen um. Ein gleichstarkes Beben 1990 in Luzon im Norden forderte 2400 Menschenleben.