Minister will massenhaftes Küken-Töten stoppen

Wenige Stunden nach dem Schlüpfen werden sie getötet: Jährlich werden bundesweit Millionen männliche Eintagsküken nach Angaben von Tierschützern bei lebendigem Leib geschreddert oder vergast, weil sie für die Geflügelproduktion wertlos seien.

Peta geht von 50 Millionen männlichen Küken aus, die jedes Jahr grausam getötet werden.
Peter Endig Peta geht von 50 Millionen männlichen Küken aus, die jedes Jahr grausam getötet werden.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine Brüterei im münsterländischen Senden wegen der massenhaften Vernichtung männlicher Eintagsküken erhoben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Münster bestätigte am Samstag einen Bericht des "Spiegel". Landwirtschaftsminister Christian Schmidt sagte, diese Praxis solle ein Ende haben. "Mein Ziel ist, dass das Töten männlicher Eintagsküken 2017 aufhört. Daran arbeiten wir bereits intensiv."

Die Tierrechtsorganisation Peta, die vor einem Jahr Strafanzeige gegen die Brüterei erstattet hatte, sprach von einem "historischen Durchbruch". Es sei das erste Mal, dass es in einem solchen Fall zur Anklage komme. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage, man habe Anklage beim Landgericht in Münster erhoben und strebe gegebenenfalls eine höchstrichterliche Rechtsprechung an. Denn es handele sich um ein bundesweites Problem.

Der CSU-Politiker Schmidt nannte es "unerträglich", dass die Küken getötet würden, nur weil sie das falsche Geschlecht hätten. Er sprach von rund 45 Millionen Tieren pro Jahr, Peta geht von 50 Millionen aus. "Ein Verbot ohne Alternative würde die Geflügelhaltung jedoch lediglich ins Ausland verlagern", sagte Schmidt. "Dort haben wir keinen Einfluss auf Fragen des Tierwohls, der Haltung und des Tötens männlicher Eintagsküken." Zudem mache man sich abhängig vom Import. Das helfe weder dem Tierwohl noch dem Verbraucher. Eingeschlagen sei der "Weg der Forschung, um den Geflügelerzeugern eine praxistaugliche Alternative zu bieten."